Immer mehr Eltern geben mehrere Hundert Euro für den neuen Lebensabschnitt aus

Schulanfang wird teuer

Ernst Purmann

Kassel. Am kommenden Dienstag beginnt für viele Kinder ein neuer Lebensabschnitt: In Stadt und Landkreis Kassel werden am 9. August 3612 Mädchen und Jungen eingeschult.

Die Einschulung nimmt einen immer höheren Stellenwert bei vielen Familien ein. Heutzutage werden Einladungskarten verschickt, viele Eltern geben nach der Einschulung ein Essen im Restaurant. Lokalitäten werben mit Angeboten für dieses Ereignis. Der Schulanfang wird mehr und mehr vermarktet.

„Es wird absolut übertrieben“, sagt Dr. Ernst Purmann vom Staatlichen Schulamt. Der Aufwand stehe „in keinem Verhältnis zu dem, was Erstklässler eigentlich brauchen“, sagt der Pädagoge. Kinder benötigten Ruhe, eine schützende Hand und Erwachsene, die ihnen zuhörten. „Das ist viel wichtiger als das mordsmäßige Aufgedonnere am Tag der Einschulung“, sagt Purmann.

Der finanzielle Aufwand, der mitunter betrieben werde, mache die Unterschiede zwischen den Kindern aus den verschiedenen Schichten noch deutlicher. Es gibt auch viele Eltern, die sich ein teures Essen zum Schulanfang und ein Fest nicht leisten können.

930 bekommen Hilfe

Im Landkreis Kassel werden 248 Jungen und Mädchen eingeschult, deren Eltern Hartz IV oder andere Transferleistungen beziehen, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Kreises. In der Stadt sind es 682 Mädchen und Jungen, berichtet Marie-Luise Ros, stellvertretende Leiterin des Sozialamtes. Diesen Erstklässlern stehen - wie allen anderen Schulkindern von Hartz-IV-Empfängern, die zwischen sechs und 15 Jahren alt sind - zusätzliche 100 Euro für Schulbedarf zu. 70 Euro werden zum 1. August ausgezahlt, 30 Euro gibt es für das zweite Halbjahr zum 1. Februar.

Dieses Geld reicht aber kaum aus, um die Kosten für den Schulanfang zu decken. Seit Jahren ist es üblich, dass die Grundschulen Listen an die Eltern herausschicken, auf denen steht, was die Erstklässler alles benötigen. Je nach Schule werden Hefte, Stifte aller Art, Hefter, Mappen, Malkasten, Zeichenzubehör, Farben und Knete aufgelistet. Purmann geht davon aus, dass diese Dinge um die 50 Euro kosten. „Eine gute Schule listet Gegenstände auf, die lange zu gebrauchen sind.“

Die Lernmaterialien, wie die Fibel, in die die Kinder schreiben, seien kostenlos. In manchen Schulen werde zum Beginn des neuen Schuljahrs zudem Geld eingesammelt, mit dem zum Beispiel auch die Eintrittskarte für das Weihnachtsmärchen und Kopierkosten beglichen werden.

Die Materialien für den Unterricht sind aber nur ein Posten. Hinzu kommen Schulranzen, Federmappe, Turnbeutel und Turnschuhe. Purmann weiß, dass für diese Dinge mitunter mehrere Hundert Euro von Eltern ausgegeben werden. „Die Spannen sind hier sehr groß.“ Ärmere Familien hätten an manchen Schulen auch die Möglichkeit, über die Fördervereine unterstützt zu werden. Archivfoto:  Schindler  Drei Fragen

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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