CDU und FDP erklären schlechtes Ergebnis bei Stadtverordnetenwahl in Kassel mit schlechtem Bundestrend

Die Schuld liegt in Fukushima

Konnte nur gratulieren: CDU-Parteichefin Eva Kühne-Hörmann beglückwünscht Oberbürgermeister Hilgen zur Wiederwahl. Fotos: Koch

Kassel. „Ende, aus, keine Fraktion mehr!“ So zerknirscht kommentierte Heinz Gunter Drubel das „katastrophale Ergebnis“ der FDP bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung in Kassel. Am Sonntagabend hatte Drubel, der die Liberalen bislang im ehrenamtlichen Magistrat vertreten hat, noch Hoffnung, dass die FDP weiter eine Fraktion bilden könnte.

Doch längst nicht so viele Wähler wie erhofft kumulierten und panaschierten ihre Stimmen zugunsten der Kasseler FDP. Ihn schmerze das besonders, sagte Drubel. Ohne Fraktion haben die Liberalen auch keinen Sitz mehr im Magistrat und verlieren merklich an Einfluss.

Gerade mal 2,5 Prozent der Stimmen erhielt die FDP. Umgerechnet sind das zwei Sitze in der Stadtverordnetenversammlung, die an den bisherigen Fraktionschef Frank Oberbrunner und Drubel gehen. Auf nur noch 17 Sitze kommt die CDU, die mit Verlusten von 4,9 Prozent ebenfalls nicht zu den Gewinnern zählt.

Beide Parteien machen vor allem den negativen Bundestrend für das schlechte Abschneiden verantwortlich. So äußerte sich CDU-Parteichefin Eva Kühne-Hörmann bereits am Wahlabend. Warum die Katastrophe in Japan mit der Kommunalwahl in Verbindung gebracht wurde, sei ihm unverständlich, sagte Martin Engels, stellvertretender CDU-Vorsitzender.

Als Konsequenz daraus müsse die Kasseler CDU über inhaltliche und auch personelle Neuerungen sprechen, meinte Engels. Doch die Partei sollte auch nichts übers Knie brechen. „Klar ist, dass wir unser Profil deutlicher machen müssen.“

So sieht es auch Bernd-Peter Doose, stellvertretender Fraktionschef. Personell solle sich nichts ändern. Er riet der SPD zu Verhandlungen über eine Zusammenarbeit mit der CDU. „Die Grünen haben die SPD doch bis zur Konturlosigkeit erpresst“, sagte Doose.

„Die FDP hat ein ganz schlechtes Jahr hinter sich“, sagte Parteichefin Mechthild Dyckmans. Zusätzlich habe die Atomkatastrophe von Fukushima der Konkurrenz von den Grünen Aufwind gegeben. Aber das sei nicht der einzige Grund für die Verluste.

Nun müsse die FDP neue, junge Leute für die nächste Kommunalwahl aufbauen. Oberbrunner und Drubel sind beide Ende 60. Aber über hoffnungsvollen Nachwuchs verfüge die Partei in den Stadtteilen, findet Dyckmans.

Zwar finde sie, dass sich die Partei personell erneuern müsse. Sich selbst nahm Dyckmans davon aber aus. Einen Rücktritt vom Kreisvorsitz schließe sie aus. „Ich bin ja erst letztes Jahr gewählt worden.“

„Dringenden Handlungsbedarf“ sieht Michael Knab, der sein Stadtverordnetenmandat verlor. Strategisch sei die Wahl nicht günstig gelaufen. Aber er wolle niemandem die Schuld zuweisen. Dyckmans hatte sich früh festgelegt, dass die FDP ohne Kandidaten in die OB-Wahl gehen sollte.

Von Claas Michaelis

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