Brennstoff wurde im Winter knapp

Vor 50 Jahren: Als Schüler noch kältefrei hatten

Endlich frisches Wasser: Weil durch den strengen Frost viele Wasserrohre gebrochen waren, fuhren vor 50 Jahren Tankwagen durch die Stadt. Die Aufnahme entstand vor dem Café Lange an der Friedrich-Ebert-Straße (Vorderer Westen). Archivfoto: Baron

Kassel. Zweistellige Minusgrade, eisiger Wind und Schneeverwehungen: Vor 50 Jahren hatten die Menschen in Kassel mit einem ähnlich strengen Winter zu kämpfen wie wir heute. Damals gab es zur Freude der Kinder sogar Kohlenferien an den Schulen.

Damit wolle man einem Engpass bei der Versorgung der Haushalte vorbeugen, lautete die Begründung der Stadtverwaltung.

Fünf Tage blieben die Schulen dicht. Lediglich für die Schüler der Abiturklassen gab es Ausnahmen. Die sollten sich alle in den letzten beheizten Räumen der Goetheschule und der Heinrich-Schütz-Schule treffen. So berichtete es die Hessische Allgemeine in ihrer Ausgabe vom 23. Januar 1963. Einige Tage später gab es dann die vorläufige Entwarnung. Aus dem Ruhrgebiet waren mehrere Güterzüge mit Kohle angekommen. Es gab wieder genügend Brennstoff für die Haushalte.

Heute kommen Schüler womöglich zu spät zur Schule, weil Straßenbahnen und Busse ausfallen. Auf Kohlenferien darf aber niemand mehr hoffen. „Unsere Schulen werden nahezu komplett mit Gas und Fernwärme beheizt“, sagt Gunther Gaedke, Bereichsleiter Bau bei den Städtischen Werken. Da drohe so schnell kein Engpass. Für die Fernwärmeversorgung stehen das Kraftwerk an der Dennhäuser Straße, das Müllheizkraftwerk in Bettenhausen sowie mehrere kleine Kraftwerke zur Verfügung.

Wasser aus Tankwagen

Zeitungsausschnitt: Kältefrei.

Der Blick auf den kalten Winter Anfang 1963 bietet noch eine Reihe von Zeitungsmeldungen, die dokumentieren, wie sich die Zeiten geändert haben. Weil es jede Menge Wasserrohrbrüche gab, schickten die Städtischen Werke Wasserwagen durch Kassel. 30 000 Liter Trinkwasser wurde so an die vielen Haushalte verteilt, die kein fließendes Wasser mehr hatten.

Auch überregional sorgte der strenge Winter für Schlagzeilen. In vielen Betrieben waren bis zu 30 Prozent der Belegschaft erkrankt, meldeten die Agenturen. Der Rhein war an der Loreley zugefroren und über das vereiste Wattenmeer gab es eine Autoverbindung neben dem Hindenburgdamm zur Nordseeinsel Sylt.

Neue Rohre aus Kunststoff

Die Städtischen Werke hatten einige Probleme mit dem Frost. Der war so tief ins Erdreich eingedrungen, dass man Gasrohrbrüche befürchtete. Heute halten zumindest die neueren Rohre den Frost sehr viel besser aus. Statt Gusseisen wird Kunststoff verwendet, der deutlich biegsamer ist.

Der Fortschritt hat aber nicht nur angenehme Seiten. Durch Schneeverwehungen kam es 1963 auf der Autobahn 4 bei Kirchheim zu erheblichen Behinderungen. Damals war der Stau 25 Kilometer lang. Heute sind sehr viel mehr Autos und insbesondere mehr Lkw unterwegs. Am Montag kam es durch den starken Schneefall rund um das Kirchheimer Dreieck ebenfalls zu Staus. Diesmal waren es schier endlose 70 Kilometer.

Von Thomas Siemon

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