Jahrgänge ab der Klasse sieben bleiben im Distanzunterricht

Kasseler Schulen müssen doch nicht lockern

Schulleiter Uwe Petersen steht vor dem Eingang des Kasseler Wilhelmsgymnasiums.
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Muss nun doch nicht weiter öffnen: Schulleiter Uwe Petersen vom Kasseler Wilhelmsgymnasium.

Das hessische Corona-Kabinett hat die für Montag geplanten Lockerungen an weiterführenden Schulen gekippt. Schulen aus der Region hatten ohnehin kein Verständnis für die weiteren Öffnungen.

Die Schulen in Stadt und Landkreis können aufatmen. Die Pläne, den Wechselunterricht auszudehnen, sind vom Corona-Kabinett in Wiesbaden gekippt worden. Nach den Jahrgängen eins bis sechs plus den Abschlussklassen hätten ab Montag zusätzlich die Jahrgänge ab den Klassen sieben in den Präsenzunterricht zurückkommen sollen.

Für heimische Schulen ist die Entwicklung eine gute Nachricht, sie hatten im Vorfeld bereits aufbegehrt. In einem Protestschreiben, das von den Schulleitungen der Kasseler Gymnasien und des Landkreisgymnasiums verfasst wurde, heißt es: „Aus Gründen der Fürsorge für unsere Lehrkräfte und für unsere Schüler halten wir es für geboten, dass wir für die geplanten Jahrgänge keinen Präsenzunterricht vor den Osterferien anbieten.“

Als wären sie erhört worden. Uwe Petersen, Leiter des Wilhelmsgymnasiums (WG), hat nämlich kein Verständnis, warum so kurz vor den Osterferien „auf Teufel komm raus“ geöffnet werden sollte. Was Petersen und seine Kollegen kritisieren, ist neben dem Mangel an Schnelltests eine fehlende Teststrategie.

Für Unmut sorgt außerdem, dass die ursprünglichen Öffnungspläne wieder über Bord geworfen werden sollten, aber dass im Gegenzug den Lehrenden ein Impfangebot erst nach Ostern gemacht wird. Er käme sich vor wie in einem Feldversuch, sagt Petersen, das sehe er sehr kritisch. Als Zeichen wollte er das WG erst am Mittwoch öffnen – nun kann er sich diesen Schritt sparen.

In diesem Zusammenhang stellt Stefan Hermes, Leiter der Georg-Christoph-Lichtenberg-Schule, klar: „Wir wollen ja die Schüler in die Schulen bekommen.“ Aber der Zeitpunkt wäre zu früh gewesen. Nach den Plänen der Lichtenberg-Schule wären die Schüler immerhin dreimal pro Woche in den Präsenzunterricht gekommen. Doch der Aufwand hätte in keinem Verhältnis zum Ertrag gestanden. Zumal eine wachsende Schülerzahl auch ein größeres Risiko bedeute. Zusammen mit der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal hatte er ein Schreiben an den Landrat verschickt.

Etwas moderater drückt es Stefan Alsenz aus. Er ist Leiter der Herderschule und Sprecher des Landesvorstands von „Bildungsfaktor Abitur.Hessen“. Die Arbeitsgemeinschaft hatte ein Schreiben an Hessens Kultusminister Alexander Lorz verfasst. Alsenz versteht die Schwierigkeiten der Politik, schnell auf eine „ständig wechselnde Gesamtsituation“ reagieren zu müssen. Trotzdem sei es für die Schulen anstrengend, ein Modell nach dem anderen wieder schreddern zu müssen. Was in diesem Fall nun wieder geschehen muss.

Alsenz war ohnehin dafür, das aktuelle System vorerst bis Ostern weiterlaufen zu lassen. Der Distanzunterricht sei nicht optimal, aber er habe sich eingespielt, sagt der Pädagoge. Seine Bitte an das Kultusministerium lautete, die Pläne „dringend zu überdenken“.

Dass es in den Schulen der Region ordentlich brodelt, bestätigt Reinhard Besse, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Lehrer in Stadt und Landkreis. Etliche Schreiben habe er ans Staatliche Schulamt und ans Kasseler Rathaus weitergeleitet. Den Anfang habe die Luisenschule gemacht.

Besse selbst hätte es unverantwortlich gefunden, angesichts steigender Inzidenz-Zahlen zu öffnen. Außerdem seien er und die Schulen über das ständige Hin und Her verärgert. „Was wir uns alle wünschen, ist Klarheit und Vertraulichkeit.“ So viel ist sicher: An dem ständigen Hin und Her hat sich vorerst nichts geändert. (Robin Lipke)

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