Zwölf Prozent der Erstklässler in Kassel übergewichtig – Zahlen leicht rückläufig

Schulkinder specken ab

Bald lockt die Zuckertüte: Am 8. August beginnt das neue Schuljahr. Mehr als 3600 Kinder in Stadt und Kreis werden in diesem Jahr eingeschult. Die Zahl der Erstklässler mit Übergewicht hat erstmals leicht abgenommen. Foto: dpa

Kassel. Die Zahl der übergewichtigen Schulanfänger in der Region Kassel ist erstmals leicht gesunken. Das haben die Schuleingangsuntersuchungen ergeben, die seit Oktober liefen. Während die Zahl dicker Kinder in früheren Jahren kontinuierlich gestiegen ist, ist der Anteil der Übergewichtigen bei den Schulanfängern seit 2010 von 13 Prozent auf 12,2 Prozent gesunken. Das teilte Regine Bresler, Leiterin des Schulärztlichen Dienstes beim Gesundheitsamt Kassel, auf Anfrage mit.

In der Stadt und im Landkreis Kassel werden im August 3612 Kinder eingeschult. Der rückläufige Trend sei zwar nicht enorm, jedoch Anlass zur Hoffnung, sagt Regine Bresler. „Die Bemühungen an Schulen und Kindergärten fruchten langsam.“ Durch Vorsorgeprogramme und Aufklärung von Erzieherinnen, Kindern und Eltern werde die Bedeutung von Bewegung und gesunder Ernährung langsam erkannt.

Dies bestätigt auch der Kasseler Kinderarzt Matthias Demuth. Kassel gehörte zeitweise hessenweit zu den Städten mit dem größten Anteil an übergewichtigen Kindern. Jetzt stellt Demuth bei Eltern und Kindern fest, dass mehr auf Bewegung geachtet werde. Ältere Kinder würden sich fürs Laufen interessieren, und viele hätten zum Beispiel Spaß an Wettbewerben wie dem Mini-Marathon. Allerdings hängen Gewichtsprobleme nach wie vor mit der sozialen Herkunft zusammen.

„Bei finanziell schlechter gestellten und bei Migrantenkindern ist der Anteil dicker Kinder immer noch höher“, sagt Demuth. Der Kinderarzt bedauert, dass Krankenkassen zu wenig für Vorsorge und Aufklärung zahlen würden. Zum Beispiel habe seine Praxis jahrelang einen Kurs für Übergewichtige zwischen zehn und 14 Jahren angeboten, bis dieser von den Krankenkassen nicht mehr unterstützt wurde.

Viele schlechte Esser

Keine Sorgen hingegen bereiten den Mitarbeitern des Gesundheitsamtes dünne Kinder. Eltern würden sich häufig zu viele Gedanken machen, wenn ihre Kinder wenig und einseitig essen. „Es gibt viele schlechte Esser“, sagt Regine Bresler. Die meisten würden sich aber spätestens in der Pubertät normal entwickeln. „Der Geschmack kommt später“, sagt sie. „Wenn Eiweiße zum Beispiel nur mit Schinken aufgenommen werden, ist das in Ordnung.“ Hauptsache, Kinder bekommen alle wichtigen Nährstoffe, egal über welche Lebensmittel.

Besorgniserregend findet Bresler, die selbst Schulkinder untersucht, dass sie immer wieder auf Kinder trifft, die wie ihre Eltern ohne Frühstück aus dem Haus gehen. Doch in den meisten Kindergärten gebe es mittlerweile immerhin feste Frühstückszeiten, an denen alle teilnehmen würden.

Von Stefanie Dietzel

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