CORONAVIRUS:  Wie in Kasseler Schulen mit der Pandemie umgegangen wird

Corona-Fälle: Schulleiter schreiben Eltern an

Wegen der Corona-Hygienevorschriften tragen Schüler und Lehrer in den Schulen Masken.
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Zurzeit müssen im Unterricht Masken getragen werden: Die Hygienevorschriften stellen Schüler und Lehrer vor große Herausforderungen.

Corona stellt die Schulen vor große Herausforderungen. Immer mehr verzeichnen positive Fälle. Weil wir nicht über jeden Einzelnen berichten können, blicken wir exemplarisch in einige Schulen.

Kassel – In den Schulen, in denen für alle normal der Unterricht stattfindet, wird zurzeit viel Energie aufgewendet, um den Umgang mit der Pandemie zu organisieren.

Grundschule Königstor: Jetzt hat das Virus auch die Königstorschule erreicht: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir einen Corona-Fall im Jahrgang 4 haben und sich die betreffende Klasse seit heute in Quarantäne befindet“, informierte Schulleiter Marc Rosch am Mittwoch in einem Elternbrief.

„Schon in der letzten Woche wurden einige Kinder der Schule als Kontaktperson der Kategorie 1 in Quarantäne gestellt. Sollten weitere Kinder der Kategorie 1 in Quarantäne gestellt werden, werden Sie von Ihrer Klassenleitung informiert.“ Namen dürften aus Datenschutzgründen nicht genannt werden, lautet die Info.

Offene Schule Waldau: Nachdem ebenfalls an der Gesamtschule Offenen Schule Waldau an Corona erkrankte Schüler und Lehrer verzeichnet und damit Quarantäne-Auflagen (für vier Klassen und acht Lehrer) auferlegt worden sind, haben sich dort Lehrer und Lehrerinnen wie Andrea Michel – ebenso wie Eltern – dazu entschieden, eine Petition der GEW zu unterschreiben. Die Lehrergewerkschaft fordert darin von der Landesregierung ein „Konzept für Unterricht unter Pandemiebedingungen (im Internet unter: gew-hessen.de). Unter anderem soll der Präsenzunterricht eingeschränkt und ein Wechselmodell mit Distanzunterricht eingeführt werden.

Grundschule Brückenhof-Nordshausen: Weil das positive Corona-Testergebnis einer Lehrerin zu Beginn des Wochenendes, an einem Samstagvormittag, vorlag, musste die Schulleitung der Grundschule Brückenhof-Nordshausen schnell reagieren. In einer noch am gleichen Tag abgesetzten Mail an die Elternbeiräte, heißt es: „Das Gesundheitsamt informiert üblicherweise die Schule und gibt weitere Anweisungen.“ Doch da dies weder in Bezug auf die Betroffene, noch in Richtung Schulleitung geschehen sei, traf Schulleiterin Elke Pohlemann eine kurzfristige Entscheidung: Alle vier Klassen, mit denen die erkrankte Lehrerin ohne Maske Kontakt hatte, sollten von Montag an zuhause bleiben. „Wir hoffen, dass sich das Gesundheitsamt bald bei uns meldet, damit wir (und auch Sie) weiter planen können“, heißt es in der Elterninfo: „Wir wissen, dass unsere Entscheidung Sie vor eine große Herausforderung stellt, wir möchten aber auch nicht, dass sich die ganze Schule infiziert und damit der Unterricht viele Tage ausfallen müsste, und hoffen auf Ihr Verständnis.“

Paul-Julius-von-Reuter-Schule: An der beruflichen Schule an der Schillerstraße befinden sich drei Klassen mit Schülern und 14 Kollegen in Quarantäne. „Wir müssen die Infektionskette durchbrechen“, sagt Carsten Leimbach, Lehrer für Wirtschaft und Informatik und aktiv in der GEW. Trotzdem mache sich Angst breit, vor allem unter den Azubis, die in drei Wochen vor der IHK die Kammerprüfungen ablegen müssen. „Da geht es um viel“, sagt Leimbach: um Arbeitsverträge und damit um künftige Einkommen. Die Schüler wollten eine Quarantäne vermeiden und keine Schulzeit verpassen. Vielen Berufsschülern sei das jetzt bewusst geworden, „auch wenn sie manchmal nicht alle die Pandemie als so ernst genommen haben“. Eine Lösung wäre Distanzunterricht. „Zwar bin ich ein Anhänger von Präsenzunterricht, aber wir sollten die Sorgen der Schüler ernst nehmen.“ Als berufsbildende Schule sei die Reuter-Schule mit Arbeitsplattformen gut aufgestellt.

Heidewegschule: In dieser Woche ist ein Päckchen aus dem Kasseler Rathaus in der Grundschule in Bad Wilhelmshöhe angekommen. Der Inhalt: eine CO2-Ampel plus Bedienungsanleitung. Mit jeweils einem Exemplar stattet der Schulträger zurzeit alle Kasseler Schulen aus. Die Ampel solle von Klassenraum zu Klassenraum wandern und anzeigen, in welchen Abständen gelüftet werden muss. „Nach 15 Minuten“, weiß die Schulleiterin der Heidewegschule, Doris Schmidt, bereits. Das jedenfalls sind die Erfahrungen mit einer CO2-Ampel, die sich ein Lehrer privat für seinen Klassenraum angeschafft hat. „Eine CO2-Ampel ist besser als keine CO2-Ampel“, lautet Schmids Kommentar zu der neuen Ausstattung. Aber sie hat einen Wunsch: „Luftfiltergeräte wären gut.“

Sie und ihr Kollegium beweisen logistisches Talent, denn nach Möglichkeit sollte nur ein Lehrer Kontakt mit je einer Klasse haben. Das sei kaum zu realisieren. „Allein dafür zu sorgen, dass sich am Waschbecken keine Schlangen bilden, wenn sich 28 Kinder die Hände waschen sollen, sei schwierig.

.Jacob-Grimm-Schule: „Wir sind mit unseren Aufgaben in der Corona-Krise gewachsen“, sagt Kerstin Otto, die Leiterin des Oberstufengymnasiums Jacob-Grimm-Schule. Einen positiven Corona-Fall und die entsprechende Quarantäne habe man gerade überstanden. Sämtliche 49 Stammlehrer seien im Präsenzunterricht vor Ort, „selbst die 65-Jährigen. Das ist schon eine Leistung.“

 Fridtjof-Nansen-Schule: Die Grundschule in Süsterfeld-Helleböhn war nach den Sommerferien vom Förderverein mit Unterstützung von Sponsoren mit mobilen Luftreinigungsgeräten für jeden Klassenraum ausgestattet worden. Die Lehrer schafften sich zudem aus eigenen Mitteln ein Gerät für das Lehrerzimmer an. „Ich hatte den Eindruck, dass dadurch von vielen – Kollegen und ebenso von den Familien der Schüler – ein großer Teil der Angst und psychischer Stress abgefallen waren, sagt Schulleiterin Claudia Laaber. Viele Leitungen von anderen Schulen haben seitdem ihr gegenüber den Wunsch geäußert, dass sie ebenfalls gerne Luftreinigungsgeräte hätten.

Allerdings mache sich seit dem 2. November große Verärgerung breit: Die Nation gehe in einen leichten Lockdown, aber in den Schulen treffen Lehrer und Schüler nach wie vor täglich auf Menschen aus Hunderten von Haushalten. Viele Schulleitungen hätten ihr gegenüber geäußert, dass sie ebenfalls gerne mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet wären, so Laaber. Hygienevorschriften und regelmäßiges Lüften gibt es natürlich außerdem in der FNS, die bislang von Corona verschont geblieben ist.

Von Christina Hein

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