Das Kind entscheidet, nicht Mama

Optik, Sicherheit, Gewicht: Darauf kommt es beim Schulranzen-Kauf an

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Der Ranzen muss passen: Martina Pape, Geschäftsführerin von Etuis-Mertl, kennt sich aus in Sachen Ranzen.

Einschulung? Die ist doch erst im August. Das Geschäft mit den Schulranzen hat jedoch längst begonnen.

Über die Suche nach dem passenden Ranzen haben wir mit Martina Pape gesprochen, der Geschäftsführerin von Etuis-Mertl an der Friedrich-Ebert-Straße. 2006 hatte sie das Lederwarengeschäft um einen eigenen Ranzenladen erweitert, in dem rund 220 Ranzenmodelle verschiedener Fabrikate ausgestellt sind. Bis zu 800 Schulranzen pro Saison gehen hier über die Ladentheke. Für das Gespräch haben wir auf Kinder-Hockern Platz genommen, um die „richtige Perspektive“ zu haben.

Frau Pape, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Schulranzen?

Klar, er hatte ein Dschungelmotiv in braun-grün-gelb und war von der Marke Amigo, die es heute gar nicht mehr gibt. Aber meinen Ranzen gibt es noch: Er liegt auf dem Dachboden.

Schulranzen für Mädchen: Pferde sind beliebt

Das Dschungelmotiv bevorzugen Mädchen heute sicher nicht mehr. Was ist denn besonders beliebt?

Bei Mädchen hält sich seit Jahren das Pferdemotiv. Aber auch Schmetterlinge oder Pailletten-Muster sind gefragt. Bei den Jungs sind die Favoriten nicht so klar auszumachen: Fußball, Polizei, Traktoren und wilde Tiere sind gleichermaßen beliebt.

Wer entscheidet denn überhaupt, welcher Ranzen es am Ende wird: Eltern oder Kind?

Das Kind! Vor einigen Jahren war unter den Kunden eine Kinderpsychologin. Sie bat mich, ihrem Sohn mehrere Modelle in einem Kreis aufzustellen, damit er peu à peu aussortieren konnte, bis sein Favorit übrig blieb. Diese Methode, den Ranzenkreis, bei dem sich das Kind immer 30 bis 40 Mal mit seinem künftigen Ranzen beschäftigt, habe ich übernommen. Seither hatte ich keinen Umtausch mehr. Und mir selber geht das Herz auf, wenn ich das Strahlen in den Kinderaugen sehe.

Aber es gab vermutlich auch schon Tränen?

Ja, wenn Eltern ihre Wünsche durchdrücken wollen und den Ranzen ablehnen, für den sich das Kind entschieden hat. Es gab schon Kundinnen, die argumentierten: „Ich muss den ja auch jeden Tag sehen“. Ich frage dann: „Hat Ihr Kind auch Ihre Handtasche ausgesucht?“

Also sollten Eltern die Zähne zusammenbeißen und pinke Glitzereinhörner und feuerspuckende Drachen einfach aushalten?

Ich empfehle: Lassen Sie ihr Kind Kind sein, so lange es geht. Die Diskussion um das Motiv, das irgendwann nicht mehr gefällt, kommt so oder so. Dann hilft der Hinweis: Du hast die Entscheidung getroffen, Du trägst ihn. Und für den Kinderrücken gibt es nichts Besseres, als den Ranzen vier Jahre zu tragen.

Apropos: Der Rücken ist beim Kauf das entscheidende Argument?

Absolut, der Ranzen muss passen. Auch das Einstellen des Ranzens ist wichtig. Das beste Modell bringt nichts, wenn das Kind Gurte und Schnallen nicht bedienen kann. Insofern empfehle ich eher ein System ohne Hüft- und Brustgurt. Denn was nützt es, wenn der Ranzen sitzt, wenn das Kind morgens das Haus verlässt, aber mittags nur über die Schulter geworfen wird. Die Lehrerin zieht nun mal keine Ranzen auf.

Aber auch Sichtbarkeit spielt eine große Rolle.

Ja, jeder Schulranzen sollte entsprechend der DIN-Norm 58124 mindestens zehn Prozent reflektierende und 20 Prozent fluoreszierenden Flächen haben. Solche neonfarbenen Warnflächen sorgen dafür, dass das Kind im Straßenverkehr gesehen wird, bevor es angeleuchtet wird. Sicherheit fängt übrigens schon beim Jackenkauf an.

Worauf sollten Eltern noch achten?

Darauf, dass der Schulranzen nicht zu schwer ist: Kinder sollten nicht mehr als 10 bis 15 Prozent des Körpergewichtes tragen. Die Modelle wiegen heute zwischen 600 Gramm und 1,2 Kilogramm. Schon ab der dritten Klasse haben Kinder dann bis zu sechs Kilo zu tragen. Und zwei weitere Voraussetzungen sollten erfüllt sein: Dass der Schulranzen stark wasserabweisend und frei von Schadstoffen wie Kadmium und PCP ist.

Viele Eltern sind geplättet, wenn sie erfahren, wie teuer ein Schulranzen ist.

Ja, mit 200 Euro für ein Ranzenset – inklusive gefülltem Federmäppchen, Bastelmäppchen und Turntasche – muss man rechnen. Vorjahresmodelle sind schon ab 169 Euro zu haben. Für 299 Euro bekommt man das teuerste Modell, das mit einem elektrischen Hüftgurt ausgestattet ist. Im Internet gibt es die Modelle übrigens kaum billiger – und keine Beratung, die beim Ranzenkauf eigentlich unerlässlich ist.

In unserer Region gibt es ja den Brauch, dass Großeltern oder Paten den Ranzen finanzieren. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Die Sponsoren lassen sich viel stärker aufs Kind und seine Wünsche ein. Die Schulranzenwahl ist ja die erste eigene Entscheidung, die das Kind trifft.

Am Sonntag, 10. März, 10 bis 16 Uhr, präsentiert sich der Ranzenladen (Etuis-Mertl) bei der 8. Schulstartmesse. Ausstellungsort ist das Autohaus Glinicke an der Leipziger Straße. Die MT Melsungen wird mit zwei Handball-Bundesliga-Profis eine Autogrammstunde geben.

Schulranzen: Was beim Kauf zu beachten ist

Schulranzen und ihre Trends: Wechselmotive und gute Beratung. Das sind die Trends bei Schulranzen. Die Schulstartmesse von Etuis-Mertl in Kassel gab im Februar 2020 wertvolle Tipps. Bei Rucksäcken gibt es eine Marke, die Kult ist.

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