„Psychisch völlig durchgeknallt“

Schuss als letztes Mittel: Vor Gericht schildern Polizisten Angriff eines 32-Jährigen

Laut Gutachterin leidet der Beschuldigte an einer paranoiden Schizophrenie: In dem Sicherungsverfahren vor der Sechsten Strafkammer soll es heute die Plädoyers geben. Zeichnung: Reinckens

Kassel. In einem Sicherungsverfahren vor dem Kasseler Landgericht geht es darum, ob ein 32-jähriger Deutsch-Marokkaner in einem Psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden muss.

„Ich gehe da nicht wieder hin. Das waren seine Worte“, erinnerte sich am Mittwoch ein 58-jähriger Polizeibeamter des Reviers Mitte vor der Sechsten Strafkammer des Kasseler Landgerichts. Die Worte soll der 32-jährige Beschuldigte gesagt haben, nachdem er von der Polizeistreife bei seiner Flucht aus dem Ludwig-Noll-Krankenhaus auf der Dennhäuser Straße gestoppt worden war.

In der Klinik soll er zuvor auf einen Anwalt und eine Ärztin mit einem Kugelschreiber eingestochen haben. Die Schwurgerichtskammer entscheidet in einem Sicherungsverfahren darüber, ob der 32-Jährige wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte auf unbestimmte Zeit in einem Psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.

Diesen Einsatz am Freitag, 12. August 2016, werden der Polizeibeamte, seine Kollegin und eine Polizeipraktikantin, die mit ihm unterwegs waren, wohl nicht mehr vergessen. Denn der Flüchtende, ein Deutsch-Marokkaner aus Kassel, sei derart aggressiv gewesen, habe die Beamten geschlagen und getreten und mehrfach versucht, ihnen die Dienstwaffe zu entreißen, dass es keine andere Möglichkeit mehr gegeben habe, als den Mann mit einem Schuss ins Bein zu stoppen.

Das sagten sowohl der 58-jährige Polizist als auch seine 45-jährige Kollegin aus. Nachdem der Einsatz von Pfefferspray und Knüppel nichts gebracht habe, hätten beide zeitgleich ihre Schusswaffe gezogen. Der 58-Jährige schoss dem 32-Jährigen schließlich ins Bein. Die beteiligten Beamten wurden ebenfalls bei dem Einsatz verletzt und waren für mehrere Tage dienstunfähig.

Der Mann sei „psychisch völlig durchgeknallt“ gewesen, sagte die Polizeibeamtin aus. Sie und ihr Kollege waren bereits an dem Freitagvormittag – vor seiner Einlieferung in die Klinik – auf den 32-Jährigen getroffen. Seine Schwester hatte die Polizei gerufen, weil der Mann wohl völlig wirr gewesen sei und ein Messer gehabt habe. Die Mutter des 32-Jährigen habe die Beamten an der Tür empfangen und große Angst gehabt. Auch der Beschuldigte sei auf sie zugekommen, so die Polizistin, und habe ihnen mitgeteilt, er sei der Prophet, der alles Böse bekämpfe.

Nach Angaben der Sachverständigen, die am Mittwochnachmittag ihr Gutachten vortrug, leidet der Mann an einer paranoiden Schizophrenie.

Der gläubige Moslem, der zum Prozessauftakt erklärt hatte, dass für ihn nur der Koran zähle, ist bereits früher mit dem deutschen Strafgesetzbuch in Konflikt geraten. Wegen Trunkenheit im Straßenverkehr, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Schwarzfahren ist er bereits verurteilt worden.

Am heutigen Donnerstag werden in dem Sicherungsverfahren die Plädoyers gehalten, eventuell gibt es auch noch das Urteil der Sechsten Strafkammer.

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