Entwicklung des Windkraft-Spezialisten Cube

Schutz für Fledermäuse: Technik erkennt Tiere und bremst Windräder

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Durch Rotoren gefährdet: Sensoren auf Masten in der Nähe von Windkraftanlagen erfassen auch Fledermäuse, die sich nähern und sorgen zu ihrem Schutz dafür, dass die Anlagen vorübergehend abgeschaltet werden.

Kassel. Ganz neu und bereits patentiert: Die Kasseler Cube Engineering GmbH hat einen sogenannten Batprotector zum Schutz von Fledermäusen entwickelt.

Das Problem: Wenn die Rotoren von Windkraftanlagen schnell drehen, entsteht in der Nähe des Propellers ein Luftunterdruck, der die empfindlichen Äderchen in den Ohren der Tiere zerstört.

Sensoren auf Masten in der Umgebung der Windräder scannen den Bereich ständig ab. Kommt eine Fledermaus der Anlage zu nahe, drosselt das System die Geschwindigkeit oder schaltet das Windrad vorübergehend ab.

Stefan Chun, Geschäftsführer der Cube Engineering GmbH, warnt unterdessen anlässlich der geplanten Kürzung und Deckelung der Windstromförderung vor einem Scheitern der Energiewende. Gleichzeitig fordert er in dieser Frage Verlässlichkeit von der Politik. „Investoren, Banken und Planer müssen wissen, woran sie sind“, sagt er. Das Unternehmen projektiert unter anderem Windparks in aller Welt. Seit 1991 hat Cube 4000 Projekte mit insgesamt 15 Gigawatt realisiert. Das entspricht der Leistung von 15 Großkraftwerken.

Stefan Chun

Wind ist die wichtigste Säule der Energiewende. Er soll einmal 60 Prozent zum neuen, ökologischen Strommix beitragen. Und er ist mittlerweile berechenbar und ziemlich verlässlich. Nach Chuns Angaben laufen moderne Windräder in guten Lagen umgerechnet bis zu 5000 Stunden unter Volllast im Jahr – das heißt: Sie bringen rein rechnerisch an 208 Tagen die volle Leistung. Solaranlagen tun dies im Süden an nur 54 Tagen, im Norden ist es weniger.

Damit die Akzeptanz für bis zu 200 Meter hohe Mega-Windräder in der Bevölkerung wächst, müssen sie laut Chun möglichst umweltschonend aufgestellt werden und dürfen Menschen und Tierwelt nicht über Gebühr belasten.

Chun und seine insgesamt 80 Mitarbeiter haben eine ganze Palette neuer Techniken entwickelt, die Menschen und Tiere schonen helfen. So können Windkraftanlagen künftig mit einem speziellen Kamerasystem ausgestattet werden, das Vogelschwärme erkennt und dafür sorgt, dass die Rotoren ihre Fahrt verlangsamen oder abschalten. Dieses System soll erstmals bei einem Windpark mit 38 Anlagen in Jordanien installiert werden, den Cube geplant hat und dessen Bau im März startet. Andere Systeme können Windräder so steuern, dass am Tage der Schattenwurf und nachts die Drehgeschwindigkeit und somit die Lärmemissionen reduziert werden. „Das ist alles machbar“, sagt Chun. Die Kosten seien zumindest in größeren Windparks vertretbar.

Wer wissen will, wie gut ein Windkraftstandort ist, kann sich jetzt die kostenlose Cube-App „Windscout“ herunterladen. Mit einem Fingerdruck kann man deutschland- und europaweit Windräder an jeden beliebigen Punkt der Landkarte zaubern und die Größe der Anlage vorgeben. Die App errechnet dann in Echtzeit den erwarteten Energie-Ertrag. Das funktioniert auch bei allen bestehenden Anlagen.

Von José Pinto

Mehr zum Thema lesen Sie am Mittwoch in der gedruckten Ausgabe.

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