Schutz vor Überfällen: Tankstellen setzen auf Nachtschalter

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Nachts nur Verkauf hinter der Scheibe: Andreas Slaby nimmt an seiner Aral-Tankstelle an der Weserspitze ab 24 Uhr, wenn nur noch ein Mitarbeiter im Dienst ist, den Nachtschalter in Betrieb. Mögliche Räuber können dann nicht in den Laden kommen.

Kassel. Nachdem sich zuletzt die Überfälle auf Tankstellen gehäuft hatten, stellt sich die Frage, wie man Mitarbeiter schützen kann. In den jüngsten Fällen waren die Angestellten mit Waffen bedroht worden. Viele Tankstellen setzen für mehr Sicherheit auf Nachtschalter.  

Draußen ist es dunkel, keine Kunden an der Tankstelle, plötzlich eilt ein Maskierter in den Verkaufsraum und hält dem Mitarbeiter eine Pistole vor die Brust. Ein typisches Szenario eines Überfalls. Zuletzt ist es auf ähnliche Weise an der Esso-Tankstelle an der Ysenburgstraße eingetreten. Sie war innerhalb von zwei Wochen zweimal überfallen worden. Die Tankstelle samt Shop ist dort rund um die Uhr geöffnet.

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Laut Esso-Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann bleiben die Verkaufsräume der meisten Esso-Tankstellen durchgehend geöffnet. Zum einen beeinträchtigten die Schalter das Nachtgeschäft. Nicht der Verkauf von Kraftstoff, sondern von Waren aus dem zugehörigen Laden macht den Großteil des Gewinns der Pächter aus. Zum anderen, argumentiert der Sprecher, bestehe das Risiko, dass die Täter Geiseln nehmen, um sich Zutritt zum Geschäft zu verschaffen oder Geld vom Kassierer hinter der Scheibe zu erpressen. Viel Geld ist übrigens nie in der Kasse: Ab einer Summe von 250 Euro wandert es in den Tresor.

An den beiden Aral-Tankstellen von Andreas Slaby an der Weserspitze und der Frankfurter Straße wird zu später Stunde, wenn nur noch ein Mitarbeiter im Dienst ist, der Nachtschalter in Betrieb genommen. „Vielleicht muss der ein oder andere Kunde dadurch ein wenig länger warten und mir entgehen ein paar Euro durch Impulskäufe im Geschäft“, sagt Slaby. „Aber die Sicherheit der Mitarbeiter geht vor.“ Auch Slabys Tankstelle an der Weserspitze war im Herbst 2012 zweimal überfallen worden, außerhalb der Nachtschalterzeiten. Beide Täter wurden inzwischen gefasst – wie bei fast allen der zehn Überfälle auf Tankstellen in Kassel im vergangenen halben Jahr.

Auch an der Shell-Tankstelle von Christian Libudzic an der Holländischen Straße werden die Kunden ab 22 Uhr an einem Schalter bedient. Und das, obwohl die Kassierer ohnehin nicht mehr mit Bargeld hantieren. Wenn Kunden bezahlen, wandert das Geld in einen Automaten, der auch das Wechselgeld herausgibt. Die Kassetten können von Mitarbeitern nicht geöffnet werden. Auch wenn ein Räuber also kein Geld erbeuten könnte, will Libudzic auf den Nachtschalter nicht verzichten: „Wenn uns einer ausrauben will und 30 Stangen Zigaretten mitnimmt, hat das auch einen hohen Wert.“

Sebastian Szoldra ist Betreiber der Shell-Tankstellen an der Wilhelmshöher Allee und am Großen Kreisel, die mit dem gleichen Kassensystem ausgestattet sind. In Wilhelmshöhe gibt es keinen Nachtschalter, dort ist um 23 Uhr Feierabend. Am Kreisel nutze man den Schalter flexibel, sagt Szoldra. „Wenn viel Betrieb ist, ab 23 oder 24 Uhr, wenn es ruhig ist, schon früher.“ Zwar entgingen ihm durch den Schalterbetrieb Einnahmen, sagt Szoldra. „Aber die Sicherheit der Mitarbeiter ist wichtiger.“

Von Katja Rudolph

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