Neue Satzung für Neu-, Um- und Anbauten

Schutz für Villen: Stadt will historische Bausubstanz am Mulang sichern

Erhalten: Die 1881 erbaute Heilanstalt Greveler, die später Erholungsheim der Eisenbahner war, ist heute Teil der Habichtswald-Klinik. Der historische Bau wurde in den 80er-Jahren umbaut (kleines Foto). Fotos: Archiv Forssmann

Kassel/Wilhelmshöhe. Um das Erscheinungsbild der ab 1880 entstandenen Villenkolonie Mulang zu erhalten, will die Stadt noch dieses Jahr eine Erhaltungs- und Gestaltsatzung verabschieden. Das Regelwerk macht für Neu-, Um- und Anbauten im Wilhelmshöher Bezirk klare Vorgaben.

Hintergrund sei der zuletzt verstärkte Bauwillen in dem Bereich, sagte Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Weil es in den vergangenen Jahrzehnten am Mulang auch „negative bauliche Entwicklungen“ gegeben habe, sei es an der Zeit, diese im Vorfeld auszuschließen.

Lexikon-Wissen:

Weitere Informationen zum Kasseler Stadtteil Mulang lesen Sie auch im Regiowiki der HNA.

Bereits mit dem Managementplan zum Weltkulturerbe des Bergparks war das Ziel gefasst worden, auch die benachbarte Villenkolonie zu schützen. Die Satzung mache verbindliche Vorgaben, die über das normale Baurecht hinausgingen, sagte Nolda. So würden nicht nur zum Bau selbst Regeln gefasst, sondern etwa auch zum Verhältnis von Baukörper und Freiflächen. Hintergrund ist, dass sich die Villenkolonie durch großzügige, parkähnliche Anlagen auszeichnet.

Burgfeld-Areal im Umbruch 

Als Beispiel für anstehende bauliche Entwicklungen in dem Bezirk nannte Nolda das Burgfeldkrankenhaus an der Wigandstraße. Investoren planten den vom Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband nicht mehr benötigten Nachkriegsbau für Wohnneubau abzureißen. „Jetzt ist die Frage, was kommt da hin?“, sagte Nolda.

Mondän: Speisesaal des Erholungsheimes der Eisenbahner, das heute Teil der Habichtswald-Klinik an der Mulangstraße (oberhalb der Kurhessen-Therme) ist.

Auf die Frage, ob solche Gestaltungssatzungen auch für andere Stadtteile denkbar seien, äußerte sich der Stadtbaurat zurückhaltend. Ja, es gebe solche Überlegungen, aber es sei zu aufwendig, derart detailreiche Vorgaben flächendeckend zu entwickeln.

Volker Mohr, Leiter des Stadtplanungsamtes, ergänzte, dass etwa auch für den Vorderen Westen eine solche Satzung denkbar sei. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. Nolda sieht eine Einsatzmöglichkeit auch bei der Reglementierung von Außenwerbung an Fassaden in der Innenstadt.

Friedrich Forssmann, Bewohner des Mulang und Sammler historischer Dokumente über den Mulang, verfolgt die Geschichte der Villenkolonie seit Jahren. Er hat ein Archiv von Fotos angelegt, das die Veränderungen deutlich macht. Nicht nur der Krieg habe Bausubstanz zerstört, sondern auch der Neubauwille in der Nachkriegszeit. Für die Schaffung von Wohnraum wurden bis in die 70er-Jahre Villen abgerissen.

Von Bastian Ludwig

Historische Fotos vom Stadtteil Mulang

Historische Fotos: Die Villenkolonie im Kasseler Stadtteil Mulang

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