Rolf Wekeck nach 35 Jahren Bauaufsicht im Ruhestand

Der Schutzengel geht

Freut sich auf den Ruhestand: Heute hat Rolf Wekeck seinen letzten Arbeitstag bei der Bauaufsicht. Der Bauingenieur war für bautechnische Prüfungen zuständig. Foto: Malmus

kassel. Sein Büro ist bescheiden. Ein kleiner Raum im Rathaus mit Schreibtisch und alten Regalen war über viele Jahre sein Arbeitsplatz. Hier hat Rolf Wekeck Baupläne geprüft, aber auch „viel Kleinkram“ erledigt. „Alles was mit Bautechnik zu tun hat, ist über meinen Schreibtisch gegangen“, sagt der 65-Jährige. 35 Jahre lang hat er Pläne gesichtet und Bürger beraten, nun geht er in den Ruhestand.

Heute ist sein letzter Arbeitstag. Der Bauingenieur verlässt sein Büro noch einmal, um vor Ort nach dem Rechten zu sehen. Dass es dabei um Nordhessens größtes Wasserfest geht, ist ein glücklicher Zufall. Die Abnahme der Zissel-Buden ist die letzte Amtshandlung des bekennenden Nordhessen-Fans.

So genannte fliegende Bauten wie Zirkuszelte, Messestände und Stadtfesttribünen auf ihre Standfestigkeit zu prüfen, gehörte ebenfalls zum Aufgabenbereich des Statikers. Das brachte auch Einsätze spätabends und an hohen Feiertagen wie Weihnachten mit sich. Zum Beispiel in der Rothenbachhalle, wo vor dem Spiel der MT Melsungen die Tribüne abgenommen werden musste. Wekeck hat das nicht gestört. „Ich bin eigentlich immer gerne raus“, sagt er.

Manchmal war er mit der Feuerwehr unterwegs, zum Beispiel als sich unverhofft vor der Markthalle ein Loch auftat. Manchmal eckte er auch an. „Die Leute wollen Sicherheit haben“, sagt er. Wenn man sie dann auf Defizite hinweise, reagierten manche verschnupft.

Einmal sei er im Vorfeld einer Veranstaltung von einem Vorgesetzten zurückgepfiffen worden, erzählt er. Streitpunkt war eine große Bühne, bei der Pläne und Ausführung nicht übereingestimmt hätten. Bei der Erinnerung daran wird der sonst eher besonnene, hoch gewachsene Mann lebhaft. „Dann kriegt man einen Zorn“, sagt er. „Und wenn ich an Duisburg denke - meine Kollegen dort haben sicher alles richtig gemacht.“

„Die Gesetze werden immer mehr, und die Leute, die den Menschen helfen, immer weniger.“

Rolf Wekeck

In seiner Dienstzeit hat er neun Stadtbauräte und fünf Oberbürgermeister erlebt und zu Zeiten von Boris Jelzin die Bauleitung für die Begegnungsstätte in Kassels Partnerstadt Jaroslawl übernommen.

Der Mann aus dem Ruhrpott hat sich stets als Dienstleister gesehen. Ob bei der Überwachung von Neubauten wie beim Ausbau des Landratsamtes an der Wilhelmshöher Allee, seiner größten Baustelle, oder der Beratung von Bürgern. Denen gab er manchen Tipp, der sich am Ende auszahlte. „Denn nichts ist so teuer wie ein Hausbau“, sagt er. Durch die neue Hessische Bauordnung seien dem nun Grenzen gesetzt. „Die Gesetze werden immer mehr und die Leute, die den Menschen helfen, immer weniger.“

Der friedensbewegte Ostermarschierer, der die SPD wegen des Jugoslawienkriegs verließ, hat auch unkonventionelle Wege beschritten. So besorgte er einem Zirkus Stahlstützen, die zur Standsicherheit fehlten. Die documenta-Bauten und die Anfänge des Kulturzeltes sind ihm in lebhafter Erinnerung. Wie das Kunstwerk von Ai Weiwei, für dessen Absperrung er sich starkgemacht hatte und das tatsächlich einstürzte.

Das blieb aber die Ausnahme. „Ich habe sicher auch manchmal Glück gehabt, dass alles gut gegangen ist“, sagt der Statiker. Er kann mit ruhigem Gewissen gehen.

Von Ellen Schwaab

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