Baunataler Diakonie will mehr Geräte

Schutzengel hatte Hilfe: Mann überlebte dank Defibrillator

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Rettung in der Turnhalle: Werkstattleiter Oliver Pick (von links), Ulrich Zinke und Ute Hose zeigen den erfolgreich eingesetzten Laien-Defibrillator.

Baunatal / Kassel. Ulrich Zinke hält das Gerät in den Händen, das seinem Kollegen Wolfgang K. (Name geändert) das Leben rettete. „Ohne den Defibrillator hätte er es nicht geschafft“, sagten später auch die Sanitäter. Es war das Glück des 56-jährigen Mitarbeiters, dass der Defi schnell erreichbar war.

Bislang verfügt die Baunataler Diakonie Kassel (BDKS) nur über diesen einen Laien-Defibrillator.

Um für die Sicherheit der Mitarbeiter auch an den anderen Arbeitsstandorten zu sorgen, werden die Baunataler Werkstätten zunächst zehn weitere Defibrillatoren anschaffen. Die Werkstätten schließen sich zudem der HNA-Initiative „Defis für die Region Kassel“ an. So hofft man, auch mithilfe von Spenden und Sponsoren weitere lebensrettende Defis anschaffen zu können.

Natürlich braucht es im Notfall auch fleißige Schutzengel und beherzte Ersthelfer. So war es eine der glücklichen Fügungen, dass Hausmeister Ulrich Zinke gerade in der Nähe war, als Wolfgang K. Hilfe brauchte. Der 56-Jährige war plötzlich in der Turnhalle röchelnd zusammengesackt.

Ohne zu zögern begannen umstehende Helfer mit der Herzdruckmassage und der Mund-zu-Mund-Beatmung. Ein anderer Sportler lief los, um Hilfe zu holen und traf auf Ulrich Zinke, der glücklicherweise den Schlüssel zur bereits verschlossenen Eingangshalle bei sich trug. Der Hausmeister rannte los, um dort den Defi zu holen. Denn Wolfgang K. gab kein Lebenszeichen mehr von sich.

„Ich wusste, das Ding sagt mir alles, was zu tun ist“, sagt Zinke, der zwar eine Erste-Hilfe-Ausbildung absolviert hat, einen Defibrillator aber noch nie bedient hatte. Schnell schaltete Zinke das Gerät ein, das sofort konkrete Anweisungen gab. „Wir fühlten uns schon besser, weil wir jetzt genaue Anleitungen bekamen“, erinnert er sich. Die Ersthelfer klebten Wolfgang K. die beiliegenden Elektroden auf die Brust, und das Gerät begann sofort, den Zustand des Patienten zu analysieren. Es folgte das Kommando, den Patienten nicht zu berühren und den Elektroschock auszulösen. „Ich hätte nicht gedacht, dass das Gerät noch helfen kann“, sagt Ulrich Zinke. „Er war so leblos und furchtbar bleich.“

Ein Stromstoß reichte

Doch es reichte schon ein Stromstoß, um das Kammerflimmern des Herzens zu beenden. „Wir konnten es kaum glauben, als der Notarzt sagte, sein Zustand sei jetzt stabil.“

Am 6. Januar, genau ein Jahr später, feierte Wolfgang K. mit Freunden, Familie und Rettern den ersten Geburtstag seines wiedergeschenkten Lebens.

Und im Juli wird der Vater dreier Kinder und Großvater, der unter anderem jahrezehntelang die integrative Betriebssportgruppe leitete, nach eineinhalb Jahren wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Er trägt heute einen implantierten Defibrillator, der ihn vor einem solchen Unglück künftig bewahren soll.

Von Martina Heise-Thonicke

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