Eon-Mitte-Anteile: Finanzielle Hilfe des Landes für den Landkreis Kassel schließt einen Kauf nicht aus

Schutzschirm ist kein Hindernis

Wer übernimmt Eon Mitte? Noch ist völlig unklar, wer künftig das Sagen in der Kasseler Zentrale des Energieversorgers an der Druseltalstraße hat. Die nordhessischen Landkreise sind an einer Übernahme von Eon-Anteilen interessiert. Foto: Schachtschneider /Charterflug Kassel/Knabe

Kreis kassel. Es war Anfang Mai, als sich der hoch verschuldete Landkreis Kassel entschloss, unter den kommunalen Schutzschirm des Landes zu schlüpfen. Mit rund 67 Millionen Euro Unterstützung aus Wiesbaden kann man nach dem gegenwärtigen Stand im Kreishaus rechnen - eine Summe, die das Defizit von knapp 195 Millionen Euro spürbar senken würde.

Seit Anfang Juni steht nun ein anderes Thema ganz oben auf der politischen Agenda, das dem Kreis richtig Geld kosten würde. Es geht um den Kauf weiterer Anteile an dem regionalen Energieversorger Eon Mitte, an dem der Landkreis Kassel bereits mit 3,3 Prozent beteiligt ist. Auf rund 733 Millionen Euro wird der Wert des Eon-Anteils an dem Unternehmen beziffert - das macht rein rechnerisch 60 Millionen Euro, die von jedem der Landkreise und der Stadt Göttingen aufzubringen wären.

Der Landkreis Kassel, der wie alle Anteilseigner ein Vorkaufsrecht hat, ist an einer Erhöhung des kommunalen Anteils sehr interessiert.

Aber kann ein Landkreis, der unter den Schutzschirm schlüpfen will, gleichzeitig Schulden machen, um weitere Eon-Mitte-Anteile zu kaufen?

Prinzipiell stehe der Schutzschirm einem solchen Plan nicht entgegen, sagte Stefan Löwer, Sprecher des Finanzministeriums, gestern auf HNA-Anfrage. „Wir schreiben den teilnehmenden Kommunen nicht vor, wie sie ihr Haushaltsdefizit reduzieren müssen.“ Entscheidend sei, dass die Zielvereinbarung eingehalten werde. Diese sieht vor, dass der Landkreis Kassel spätestens 2020 einen ausgeglichenen Etat vorzulegen hat. Die Konsolidierung müsse nicht ausschließlich über Einsparungen laufen, sondern könne beispielsweise auch über höhere Steuereinnahmen erreicht werden, so der Sprecher.

Beim Landkreis rechnet man unterdessen damit, dass die Verhandlungen mit Eon eine langwierige Angelegenheit werden. Die kommunalen Anteilseigner müssten sich zunächst über ihr Vorgehen verständigen, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn.

Steht die Linie fest, würden vor konkreten Gesprächen mit der Düsseldorfer Eon-Zentrale zunächst ein Gutachten über den Wert des Regionalversorgers erstellt und die Wirtschaftlichkeit von Eon Mitte geprüft. Kühlborn: „Ein Kauf macht natürlich nur Sinn, wenn sich die Sache am Ende rechnet.“ HINTERGRUND/ KOMMENTAR

Von Peter Ketteritzsch

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