Angeklagter war geständig

Schwangere Freundin vergewaltigt: Acht Jahre Haft

Kassel. Zum dritten Mal hatte ein 43-Jähriger eine deutlich jüngere Frau vergewaltigt, bei der Tat im April vergangenen Jahres zwang er seine damals 18-jährige schwangere Verlobte mit vorgehaltenem Messer zum Sex.

Die 5. Kammer des Landgerichts verurteilte ihn deshalb am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren. Für die von der Staatsanwaltschaft beantragte Sicherungsverwahrung, die den Angeklagten dauerhaft hinter Gitter gebracht hätte, sah das Gericht keine Voraussetzungen.

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16:45 Uhr aktualisiert.

Als „narzisstisch-depressive Persönlichkeit“ beschrieb Psychiater Georg Stolpmann den Angeklagten. Mehrfach war der während der Verhandlung in Tränen ausgebrochen, nicht etwa, weil ihn Schuldgefühle oder Mitleid mit seinem Opfer plagten, sondern weil er sich als Opfer der Verhältnisse sah: seine Alkoholikerkarriere, Stress mit dem Arbeitgeber. Richter Jürgen Stanoschek hielt ihm vor, er mache die äußeren Umstände verantwortlich, doch: „Sie sind der Täter!“.

Das hatte er schon am ersten Prozesstag gestanden. Kurz nach einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahre wegen zweifacher Vergewaltigung hatte er eine Beziehung zu der heute 19-Jährigen aufgebaut, die er schon als Elfjährige in einem Musikverein kennengelernt hatte. Die beiden verlobten sich. Seine Partnerin war von ihm schwanger, als er sie in seiner Wohnung vergewaltigte. Mit der Drohung, sie und ihr Kind umzubringen, zwang er sie zum Oral- und Vaginalverkehr. Sie konnte per Handy ihren Onkel verständigen, der der Sache ein Ende setzte.

Obwohl bereits die dritte Partnerin des 43-Jährigen von einer Vergewaltigung betroffen war, wollte Gutachter Stolpmann nicht von einem Hang zu solchen Taten sprechen. Das Risiko für erneute Taten dieser Art bewege sich in einem mittleren Maß. Dass er Alkoholiker sei, habe sich nicht auf sein Verhalten ausgewirkt, der Alkohol habe seine Sinne nicht derart getrübt, dass er sich nicht mehr im Griff hatte. Stolpmann hatte auch prüfen müssen, ob eine Sicherungsverwahrung angeordnet werden kann. Er fand dafür nicht genügend Anhaltspunkte.

Gleichwohl beantragte Staatsanwalt Matthias Blosche neben einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und zehn Monaten, den 43-Jährigen dauerhaft wegzusperren. Verteidiger Bernd Pfläging hingegen hielt statt der Sicherungsverwahrung die Sozialtherapie für den richtigen Ort und verlangte eine Strafe von viereinhalb Jahren.

Richter Stanoschek erinnerte daran, dass das Bundesverfassungsgericht die Sicherungsverwahrung als verfassungswidrig eingestuft und den Gesetzgeber aufgefordert hatte, bis 2014 eine Neuregelung auf den Weg zu bringen. Bis dahin sei die Sicherungsverwahrung nur möglich, wenn „ohne Wenn und Aber eine Gefährlichkeitsprognose“ abgegeben werden könne. Mit Blick auf das psychiatrische Gutachten, das weder von einem Hang noch von einer hohen Rückfallgeschwindigkeit ausgeht, sah das Gericht keine Basis für eine solche Entscheidung. Der 43-Jährige , so Stanoschek, „sucht sich nicht bewusst ein neues Opfer, er findet es“.

(jbk)

Rubriklistenbild: © dpa

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