Blick in die politische Vergangenheit

Schwarz-Grün in Kassel: Ahnliche Probleme wie heute auf Landesebene

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Streitobjekt zwischen Grünen und CDU: Die Beschlüsse zum Ausbau des Flughafens Kassel-Calden wollten die Grünen nicht mittragen. Unser Archivbild zeigt eine Boeing 737-700 vor dem alten Tower.

Kassel. Auf Landesebene wäre es in Hessen eine Premiere, in Kassel gab es sie schon: Die Polit-Ehe zwischen CDU und Grünen wurde 2003 geschlossen und hielt bis 2005. Wir blicken auf diese kurze Periode zurück.

Er war davon überzeugt, dass der Neubau des Flughafens Kassel-Calden zum Millionengrab würde. Trotzdem hat Wolfgang Friedrich im Jahr 2003 als Fraktionsvorsitzender der Kasseler Grünen das Experiment mit der CDU gewagt. „Wir haben den Flughafen ausgeklammert und einiges auf den Weg gebracht“, sagt er heute. Sein damaliger Partner auf Seiten der CDU sieht das ähnlich. Der Flughafen sei in der täglichen Arbeit eigentlich kein Thema gewesen, sagt Christoph Holler.

Den Flughafen ausklammern? Kann das auf Dauer funktionieren? Diese Fragen müssen CDU und Grüne jetzt auch auf Landesebene beantworten. Selbstverständlich geht es dabei in erster Linie um den ungleich größeren Flughafen in Frankfurt und dessen Entwicklung. Aber auch zu Calden gibt es schon neue Töne.

Unterschriften gegen den Flughafen: Wolfgang Friedrich (Dritter von links) übergab im Mai 2001 die Liste zusammen mit den Grünen Eckardt Wagener und Ruth Fürsch an Oberbürgermeister Georg Lewandowski (Zweiter von links). Archivfoto: Lantelmé/nh

Grünen-Parteichef Tarek Al-Wazir, der für Kassel-Calden bislang höchstens Spott übrig hatte, äußert sich mittlerweile recht moderat über den Regionalflughafen. Man müsse Projekten, wenn sie denn mal da seien, eine gewisse Chance geben, sagte er vor wenigen Tagen im Interview. Die schwarz-grüne Kooperation in Kassel hielt damals anderthalb Jahre. Den Einstieg in die Betreuung von Kindern unter drei Jahren - gegen den erbitterten Widerstand von Kämmerer Barthel (SPD) – habe man geschafft, sei sich bei Themen wie Welterbe und Stadtentwicklung einig gewesen, sagt der Grüne Friedrich.

Christoph Holler - er ist mittlerweile Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie - glaubt heute noch, dass das schwarz-grüne Projekt nicht am Flughafen hätte scheitern müssen. Nach der Wahlniederlage des CDU-Oberbürgermeisters Georg Lewandowski gegen Bertram Hilgen (SPD) sei die Parteispitze der CDU umgeschwenkt. Es sei ein Fehler gewesen, die Grünen als Partner auszuschließen, sagt Holler. Damit habe sich die Union selbst ins Abseits gestellt.

In drei Wochen wollen die CDU und die Grünen ihren aktuellen Koalitionsvertrag aushandeln.

Von Thomas Siemon

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