Prozess gegen Drogenschmuggel: Angeklagte schweigen

Marihuana-Geschäfte nach Polizei-Zugriff fortgesetzt

Kassel. Im Prozess um Marihuana-Einfuhr aus Holland nach Korbach und Brilon haben die drei Angeklagten am zweiten Prozesstag zunächst keine Aussagen gemacht.

Einer von ihnen, ein 27-jährige Kasseler, kündigte für einen späteren Zeitpunkt ein Geständnis für einen Teil der Anklagepunkte an. Die beiden anderen, ein 23-Jähriger ehemaliger Korbacher und eine 22-jährige Korbacherin ließen offen, ob sie sich noch äußern wollen.

Die Anklage wirft den beiden jungen Männern vor, als „gut eingespieltes Team“ gewinnbringend Marihuana verkauft und zu diesem Zwecke auch aus den Niederlanden beschafft zu haben. In insgesamt 63 Fällen seien zwischen Sommer 2009 und Sommer 2011 je ein bis zwei Kilo abgeholt worden.

Die 22-jährige Frau ist angeklagt, in 46 Fällen Hilfe zu den Drogengeschäften geleistet zu haben. Etliche Male soll sie Autos gesteuert haben, die die Transporte begleiteten.

Bei den Transporten sollen etliche Kuriere - teils aus Vöhl und Waldeck - zum Einsatz gekommen sein. Einer wurde offenbar mit rund 1.650 Gramm Marihuana gefasst. „Danach war aber noch keineswegs Schluss“, trug Staatsanwalt Karl-Heinz Ernst vor. Ein neuer Kurier sei gesucht und gefunden worden. Erst mit Festnahmen hätten die Taten geendet. Zeitweise hätten die drei als Bande agiert.

Als ersten Zeugen hörte das Gericht einen 24-Jährigen, der mittlerweile in Marburg wohnt. Er sagte, der 23-Jährige sei im Jahre 2009 sein bester Freund gewesen. Auf dessen Bitte habe er mehrfach Wagen angemietet und sei mit nach Groningen gefahren. Geld habe er nicht haben wollen.

Wie oft sich diese Fahrten ereignet hatten, habe er nicht mehr sicher in Erinnerung. „Fünf habe ich zugegeben und für fünf bin ich verurteilt worden“, sagte der Zeuge auf Nachfragen. Auf die Zahl habe er sich bei seiner polizeilichen Vernehmung mit einer Beamtin „geeinigt“. Es könnten auch weniger gewesen sein. 2009 sei sein Leben ziemlich durcheinander gewesen.

Nachdem das Gericht den Zeugen entlassen hatte, widersprachen zwei Verteidiger der Verwertung seiner Aussagen - oder Teilen davon. Zuvor hatten sie etliche kritische Fragen zu den Umständen seiner Vernehmung bei der Polizei gestellt. Der 24-Jährige hatte unter anderem berichtet, er sei eines Tages aus dem Verkehr gewinkt worden. Sein Wagen und er selbst seien von vier Polizisten durchsucht worden - dabei habe er Schuhe, Jacke und Pullover ablegen müssen. Man habe ihm ein Handy hingehalten, damit er einen Vernehmungstermin abmache. Das habe er dann getan.

Das Gericht verhandelte am zweiten Tag in der ursprünglichen Besetzung. Der zum Prozessauftakt gestellte Befangenheitsantrag gegen Richter Volker Mütze war abgewiesen worden.

Von Katja Schmidt

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