ADAC-Mitglieder kritisieren Verein – Konkurrenz sieht Bewegung auf dem Markt

Wie schwer wiegt die Panne beim ADAC?

ADAC steht in der Kritik: Nach der manipulierten Abstimmung des Lieblingsautos sieht der Auto Club Europa Bewegung auf dem Markt. In den Geschäftsstellen, wie hier in der Oberen Königsstraße, hielten sich die ADAC-Mitglieder mit Kritik aber eher zurück. Foto: Skupio

Kassel. Die manipulierte ADAC-Leserwahl des Golfs zum „Lieblingsauto“ dürfte den Automobilclub noch länger als Image-Panne beschäftigen. Das sieht auch die Konkurrenz vom Auto Club Europa (ACE) so. „Der Markt scheint in Bewegung zu geraten“, sagt Rainer Hillgärtner, Sprecher des ACE, auf Anfrage der HNA. 

Der ACE befinde sich natürlich mit dem ADAC im Wettbewerb, sagte der Sprecher. Häme verbiete sich aber in der aktuellen Situation. „Wir spekulieren nicht auf einen großen Aderlass“, sagte Hillgärtner mit Blick auf eventuelle Kündigungen bei der KonkurrenzADAC-Kommunikationschef und Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter (60) hat zwar seinen Fehler inzwischen eingeräumt und ist zurückgetreten, dennoch ist die Kritik groß. Auf der Facebook-Seite des ADAC kommentierten über 1000 Menschen die Stellungnahme mit meist kritischen Worten. In der ADAC-Geschäftsstelle in Kassel, wo wir uns gestern umhörten, blieb harsche Kritik aber bisher aus.

Rainer Hillgärtner

Dort war zu vernehmen, dass Kunden bisher sich kaum zu diesem Thema geäußert hätten. Für Inge Boy aus Kassel hat die gefälschte Stimmenanzahl bei der Wahl des VW Golf zum Lieblingsauto des Jahres keine Auswirkungen auf ihr Bild des Automobilclubs. „Das ist kein Kündigungsgrund für mich“, sagt die 73-Jährige. Aber mit der Familie habe man sich natürlich darüber unterhalten, sagt Boy. Auch, weil manch ein Autokäufer sich durch solche Rankings bei seiner Entscheidung beeinflussen ließe.

Die Korruption sei aber auch überall, sagte ein Kasseler, der gestern an der ADAC-Filiale an der Oberen Königsstraße stand. Er würde sich durch solche Auszeichnungen beim Kauf eines Autos ohnehin nicht beeinflussen lassen.

In der vergangenen Woche hatte die „Süddeutsche Zeitung“ von der Manipulation berichtet. Ramstetter soll die Leserwahl manipuliert haben. Er hatte angegeben, 34 299 Leser der Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“ hätten den VW Golf ausgewählt. In Wirklichkeit waren es 3409.

Von Max Holscher

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