NVV entschuldigt sich für den Vorfall

Trotz Behinderung: NVV-Kontrolleurin erklärt Fahrgast zum Schwarzfahrer 

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Dieser Ausweis wurde nicht akzeptiert: Obwohl hier eindeutig vermerkt ist, dass Begleitpersonen umsonst fahren.

Er hat die Welt nicht mehr verstanden: Ein 76-jähriger Schwerbehinderter aus Kirchditmold musste vergangenen Dienstag erleben, wie eine Kontrolleurin ihn und seine Frau in der Regiotram als Schwarzfahrer behandelte.

Dabei hatte sich der an Lungenkrebs erkrankte Mann korrekt mit seinem Schwerbehindertenausweis ausgewiesen. Dies räumte eine NVV-Sprecherin inzwischen auch ein und entschuldigte sich für den bedauerlichen Vorfall.

Der Mann war am Dienstagmittag mit seiner Frau in Kirchditmold in die Regiotram gestiegen. Für sich selbst hatte er eine Fahrkarte gelöst, seine Frau darf als Begleitperson kostenlos mitfahren. So sieht es der Schwerbehindertenausweis des Mannes vor, dem eine 100-prozentige Behinderung attestiert wurde. Der Buchstabe „B“ auf seinem Ausweis bedeutet, dass Begleitpersonen kostenfrei in Bus und Bahn mitreisen dürfen.

Die Kontrolleurin, die das Paar in der Regiotram ansprach, hatte davon offenbar keine Ahnung. Sie hielt den Ausweis des Mannes in Bezug auf die ÖPNV-Beförderung für wirkungslos und verhängte ein Bußgeld von 60 Euro. „Die Frau war unfreundlich und es war beschämend, vor den anderen Fahrgästen als Schwarzfahrer behandelt zu werden“, sagt der 76-Jährige. Die Kontrolleurin war dem Pärchen bereits bekannt. Sie hatte die Kirchditmolder einige Wochen zuvor schon mal angesprochen und darauf hingewiesen, dass sie den Ausweis nicht akzeptiere. Damals hatte sie zwar kein „erhöhtes Fahrgeld von 60 Euro“ – wie die Geldstrafe offiziell heißt – verhängt, aber das Ehepaar der Bahn verwiesen.

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Weil die Kirchditmolder daraufhin verunsichert waren, erkundigten sie sich beim Versorgungsamt über die Bedingungen des Schwerbehindertenausweises. Sie bekamen die Auskunft, dass damit Begleitpersonen selbstverständlich kostenfrei mitgenommen werden können. Also bestiegen sie wieder arglos die Bahn – wobei der 76-Jährige wie immer eine Karte löste, da nur die Begleitung umsonst fährt.

Nach den Erlebnissen am Dienstag suchten die Rentner die NVV-Schalter am Bahnhof Wilhelmshöhe und am Hauptbahnhof auf. In Wilhelmshöhe wurde von der NVV-Mitarbeiterin der Fehler zwar eingeräumt, aber für die Löschung der Geldstrafe eine Stornogebühr von sieben Euro verlangt. „Das habe ich abgelehnt“, sagt der Kirchditmolder. Im Hauptbahnhof waren die Mitarbeiter ebenso uninformiert wie die Kontrolleurin und behaupteten, es habe eine Schwarzfahrt vorgelegen.

Auf HNA-Anfrage entschuldigte sich der NVV. Weder 60 Euro, noch sieben Euro seien fällig. Alle Zugbegleiter und das Personal in den Servicezentren werde nachgeschult.

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