Gemeinden zahlen kräftig mit – Kosten für Leistungen werden zunehmend kaufmännisch gerechnet

Schwimmbadkarte müsste 15 Euro kosten

Teures Vergnügen: Bürger müssten für den Eintritt ins Lohfeldener Freibad mehr als 15 Euro zahlen, um alle Kosten zu decken. Die Gemeinde trägt aber einen Großteil, so kostet der Eintritt nur 2,50 Euro. Foto: Dilling

Lohfelden / Söhrewald /Baunatal. Stellen Sie sich vor, Sie müssten im Freibad Lohfelden für den Schwimmbad-Eintritt 15,34 Euro statt der gewohnten 2,50 Euro zahlen.

Oder im Aqua-Park Baunatal würde die Bedienung an der Kasse statt der üblichen 4,20 Euro 12,48 Euro verlangen – ein Aufschrei der Entrüstung würde durch die Reihen der Badbesucher gehen. Doch keine Sorge: So schlimm wird es nicht kommen. Allen ist klar, dass Schwimmbäder genauso wie Kindergärten nur als Zuschussbetriebe für die Bürger erschwinglich sind.

Dennoch kommen diese Horrorpreise nicht von ungefähr. Tatsächlich müssten Schwimmfreunde so viel berappen, wenn sämtliche Kosten des Betriebs, vom Aufheizen des Wassers über das Schneiden des Rasens auf der Liegewiese, das Wischen der Böden bis zum Leeren der Abfallbehälter eingepreist würden.

Unter dem Stichwort Kosten-Leistungs-Rechnung (KLR) nehmen Landkreis-Gemeinden derzeit alle Leistungen, die sie ihren Bürgern als Service anbieten, bis hin zur Gebäudebewirtschaftung kostenmäßig auf den Prüfstand. „Ziel ist es, mehr Transparenz zu schaffen und den Kommunalpolitikern Entscheidungshilfen an die Hand zu geben“, sagt Klaus-Peter Metz, Produktverantwortlicher für den Bereich Finanzen bei der Stadt Baunatal. Sie gehört zu den Vorreitern bei der Kosten-Leistungs-Rechnung. Schon seit Mitte der 90er-Jahre, als diese Art der kaufmännischen Kostenkontrolle noch längst nicht wie heute eine gesetzliche Verpflichtung war, hat Baunatal damit begonnen.

Eigens Stelle geschaffen

Lohfelden will 2015 seinen Kostenstellen-Katalog fertig haben, der dann eine laufende Kontrolle der Kostenentwicklung bei den Produkten ermöglicht.

Das ist sehr personalaufwendig. In Lohfelden hat die Gemeinde Agnes Hennek eigens für den Aufbau dieses Systems eingestellt. Und sogar eine kleine, relativ arme Gemeinde wie Söhrewald nimmt alles auf den Prüfstand. „Wir sind mitten dabei. Wir werden alle Bereiche erfassen“, sagt Sonja Zufall, Söhrewalder Kämmereileiterin.

Die neue Art der Kostenkontrolle ermöglicht nach Ansicht von Metz wie auch seines Kollegen Thorsten Bürgel, stellvertretender Kämmereileiter der Gemeinde Lohfelden, einen differenzierteren Blick auf die Effizienz der Verwaltungsarbeit.

Früher hätten viele geglaubt, der Baubetriebshof sei viel zu teuer, sagt Metz. Durch die KLR habe man aufzeigen können, dass das nicht stimmt, weil der Bauhof Leistungen noch für viele andere Produktbereiche der Stadt erbringt. Überhaupt hänge die Frage, wie viel ein Produkt tatsächlich koste, oft von Faktoren ab, die nicht beeinflussbar seien, und von dem Qualitätsstandard, den eine Gemeinde für ihre Bürger anstrebe. Da sei Augenmaß gefragt, meint Metz.

Für Bürgel kann die KLR als eine Art Frühwarnsystem der Verwaltung in Sachen Kostenkontrolle fungieren. Jede Abteilung merke mithilfe dieses Werkzeugs schnell, ob etwas kostenmäßig aus dem Ruder läuft. HINTERGRUND

Von Peter Dilling

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