Auszubildende zum Gerüstbauer werden zwar gut bezahlt - müssen jedoch dafür hart arbeiten

Schwindelfreie Lehre mit Perspektive

An der frischen Luft: Lehrling Aurel Scholz kommt viel herum. Hier baut er an der Stadtmauer in Fritzlar ein Gerüst auf. Foto: Schaffner

Fritzlar/Kassel. Der Wind pfeift, das Thermometer am Bauwagen markiert den Gefrierpunkt, vom Fritzlarer Busbahnhof schauen mit Schal und Mütze dick eingepackte Menschen zur ehemaligen Stadtgrenze hinüber. Dort stellt Aurel Scholz mit zwei Arbeitskollegen Baugerüste auf - die historische Stadtmauer soll saniert werden.

Scholz ist 22 Jahre alt, macht im dritten Jahr eine Lehre zum Gerüstbauer beim Kasseler Handwerksbetrieb Westermann-Gerüstbau und arbeitet die meiste Zeit seiner Ausbildung im Freien. „Im Sommer werde ich knackig braun, bin das ganze Jahr an der frischen Luft und muss zudem nicht ins Fitnessstudio gehen“, sagt er lapidar. Doch Gerüstbauer sind harte Burschen. Morgens um sechs geht’s los - es folgen acht Stunden Knochenarbeit, manchmal mehr.

Fit und ohne Höhenangst

Lehrling Scholz steht auf der zweiten Gerüstebene in etwa vier Metern Höhe und bekommt von einem Mitarbeiter aus der Kolonne, dem Arbeitstrupp auf der Baustelle, Metallstangen angegeben. Diese baut er fachmännisch zu einem Gerüstrahmen auf. Dann folgen etwa 20 Kilogramm schwere Holzbretter, so genannte Beläge, die er auf den Rahmen montiert. Wenige Minuten später steht die nächste Etage der Arbeitsplattform, auf der andere Handwerker nachfolgend die Stadtmauer sanieren werden.

Gerüstbauer bewegen täglich zwischen eineinhalb und drei Tonnen Material. Körperliche Fitness, keine Höhenangst und die Bereitschaft „sich auch mal quälen zu wollen“, sagt Ausbilder Jörg Westermann, seien Grundvoraussetzungen für Gerüstbauer. „Eigentlich hatte ich eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen“, erinnert sich Scholz, doch dann habe er sich bei Westermann beworben und wechselte den Lehrberuf.

Es war aber nicht die körperliche Anstrengung, die ihm anfangs Schwierigkeiten bereitet habe, mehr sei es die Kommunikation auf der Baustelle gewesen. „Auf dem Bau herrscht ein rauer Ton. Das war anfangs befremdlich, man gewöhnt sich aber dran“, sagt er. Scholz ist heute kurz vor Ende seiner Ausbildung zum Gerüstbauer glücklich mit seiner Entscheidung, „ich lerne täglich etwas Neues kennen, bin immer unter Menschen und komme viel rum.“ Ein weiterer Pluspunkt ist laut Scholz die Berufsperspektive, „dank Konjunkturpaket II wird ja gerade fast jede Schule saniert, da haben wir Gerüstbauer natürlich gut zu tun.“ Westermann ergänzt, dass auch langfristig die Aussichten sehr gut seien. Aurel Scholz möchte jedenfalls über seine Lehrzeit hinaus Gerüstbauer bleiben. (psn)

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