Landgericht verurteilt 52-jährigen Kasseler, der sich an seiner Stieftochter vergangen haben soll

Sechs Jahre Haft für Missbrauch

Kassel. Als alles vorbei war, fiel die Nebenklägerin einer Begleiterin in die Arme. Die Erleichterung hatte sich schon auf dem Gesicht der 21-Jährigen abgezeichnet, als Richter Jürgen Stanoschek das Urteil begründete.

Denn das Landgericht glaubte ihr. Nicht ihrer Mutter. Und nicht ihrem angeklagten Stiefvater, der bestritt, die junge Frau im Kindesalter sexuell missbraucht zu haben.

Nach zehn Verhandlungstagen verurteilte das Landgericht den 52-jährigen Kasseler gestern zu sechs Jahren Haft. Die Kammer war überzeugt, dass der 52-Jährige seine Stieftochter zwischen 1999 und 2004 in mindestens neun Fällen sexuell missbrauchte, in dreien dieser Fälle sogar schwer.

Freispruch wurde gefordert

Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, der Angeklagte in seinem letzten Wort noch einmal beteuert, er sei unschuldig. Bei Prozessauftakt hatte er sein Verhältnis zur Stieftochter als „ganz normal“ bezeichnet.

Doch das glaubte die Kammer ebenso wenig wie die Schilderungen seiner Ehefrau. „Es gab nicht so eine heile Welt in der Familie, wie sie von ihr dargestellt wurde“, betonte Stanoschek.

Als die Tochter neun Jahre alt war, habe sich der Angeklagte ihr sexuell genähert, zunächst zögerlich. Später habe der Mann das Kind zu Spielen angehalten, die seiner sexuellen Erregung dienten.

Irgendwann habe es keinen Rückzugsraum für das Mädchen mehr gegeben - Übergriffe hätten an vielen Orten der Wohnung stattgefunden. Mehrmals sei es zu schwerem sexuellen Missbrauch gekommen.

Dass die Mutter ihren Mann mit Erzählungen über Kinderarztbesuche habe entlasten wollen, bei denen nichts festgestellt worden sei, erklärte Stanoschek für „aberwitzig“. Äußerlich sei nichts erkennbar gewesen - das Mädchen sei nicht geschlagen, der Missbrauch nicht mit Gewalt durchgesetzt worden.

Jugendamt winkte ab

Nach und nach habe sich die Heranwachsende aus der Vorstellung gelöst, ihr Papa wisse, was richtig ist, so Stanoschek. Sie habe versucht, sich zurückzuziehen. Irgendwann habe der Angeklagte das auch akzeptiert.

Ein erster Versuch der jungen Frau, sich dann mit 16 Jahren ganz aus der Familie zu befreien, war allerdings nicht geglückt: Im Jugendamt, so hatte sie berichtet, habe man ihr nicht geglaubt.

Von Katja Schmidt

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