Sechs Jahre für tödliche Messerstiche

Kasseler Landgericht verurteilte 24-jährige Prostituierte nach Messerattacke wegen Totschlags

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Muss sechs Jahre ins Gefängnis: Die 24-Jährige Angeklagte vor der Schwurgerichtskammer des Kasseler Landgerichts, rechts eine Dolmetscherin für die tschechische Sprache.

Kassel. So manches blieb in diesem Prozess vor der 6. Strafkammer im Dunkeln, der Gerichtsmediziner sei „an Grenzen gestoßen“, sagte Vorsitzender Richter Volker Mütze.

Gleichwohl stand für das Gericht am Ende fest, dass die 24-jährige Prostituierte auf der Anklagebank im Juli vergangenen Jahres in ihrer Kasseler Wohnung einen 26-jährigen Mann erstochen hat. Wegen Totschlags wurde sie gestern zu sechs Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr mehr als die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Die Nebenklage hatte zehn Jahre, die Verteidigung Freispruch verlangt.

Die bisher nicht vorbestrafte Frau hatte vor Gericht zugegeben, zwei Mal auf den Mann, den sie an jenem Abend vor einer Kneipe kennengelernt hatte, eingestochen zu haben.

Als sie mit ihm in ihre Wohnung gegangen war, um dort gemeinsam etwas zu trinken - Sex habe sie eindeutig abgelehnt - sei er trotzdem zudringlich geworden und habe sie mit seinem Taschenmesser bedroht. Und als sie die Hand mit dem Messer wegdrückte, habe sie ihm die Klinge in den Hals gestoßen. Dieser Stich, so Richter Mütze, war bereits tödlich, der Mann sei später verblutet. Die Angeklagte hatte angegeben, dass sie danach in der Küche mit einem anderen Messer erneut auf den 26-Jährigen eingestochen habe. Dazwischen muss sie ihm nach der Überzeugung des Gerichts noch diverse Stiche zugefügt haben. Laut Anklage sollen es insgesamt 13 gewesen sein. Sie selbst schwieg vor Gericht allerdings dazu, was zwischen dem ersten und dem letzten Stich passiert war.

Da es keine Zeugen gab, musste sich der Gerichtsmediziner mit den Blutspuren begnügen.

Das Gericht ging am Ende einer äußerst umfangreichen Beweisaufnahme davon aus, dass die Angeklagte mit dem Taschenmesser noch mehrmals auf den Verletzten einstach, als der im Wohnzimmer zusammen gebrochen war und auf dem Boden lag.

Das war, so Mütze, „vorsätzliches Töten“. Von Notwehr habe zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr sein können, weil der Mann kein weiteres Mal angegriffen habe, jedenfalls gebe es keine Spuren dafür.

Mit den Stichverletzungen schleppte sich der junge Mann in die Küche, wo ihm die Angeklagte mit einem Küchenmesser den „finalen Stich“, so Mütze, versetzte. Der Vorsitzende Richter gestand ihr zu, dass das spätere Opfer entscheidend zur Eskalation beigetragen habe.

Drogen und Alkohol

Der Mann stand laut Gericht in jener Nacht unter Drogen und Alkohol. Die Angeklagte habe sich aus Angst gewehrt, außerdem habe sie ebenfalls einiges an Alkohol getrunken. Doch nach dem ersten versehentlichen Stich habe sie vorsätzlich gehandelt, Hinweise auf eine geplante Tötung gebe es freilich nicht.

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