Sechzehn Jungen wohnen demnächst im ehemaligem "Gasthaus zum Bismarckturm"

Brasselsberg. Wenn es nach den Plänen von Geschäftsführer Andreas Böhle vom Verein „Durchboxen im Leben“ geht, sollen bereits im Frühjahr die ersten Jungen in das Jugendwohnprojekt im ehemaligen Gasthaus „Zum Bismarckturm“ in der Konrad-Adenauer-Straße im Stadtteil Brasselsberg einziehen.

Ob der ambitionierte Plan aufgeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Denn vor dem Einzug stehen Umbau- und Entrümpelungsarbeiten an, das Gebäude muss zudem brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht werden. Die Umbaugenehmigung liegt inzwischen vor. Das Projekt wurde in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates vorgestellt.

Idealer Standort

„Seit geraumer Zeit beabsichtigen wir eine Wohngruppe für besonders herausfordernde junge Menschen zu gründen. Hier im Stadtteil Brasselsberg haben wir einen idealen Standort gefunden, denn die Infrastruktur ist gut und auch das Gebäude selbst bietet genügend Platz für unser Projekt“, meinte Böhle. Zudem biete die exponierte Lage am Waldrand ideale Voraussetzungen für sportliche Aktivitäten, ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes.

Geplant ist eine Jugendwohngruppe mit insgesamt 16 Plätzen für 15- bis 18-Jährige. Dort sollen die Jugendlichen weiter betreut werden, die bereits ein Trainingscamp in Diemelstadt durchlaufen und eine positive Entwicklung hinter sich haben. Der Verein Durchboxen kümmert sich seit mehr als zehn Jahren um Jugendliche, die aus schwierigen Verhältnissen kommen, in ihrer Kindheit massive Einschnitte erleben mussten und darauf mit gewalttätigem oder kriminellen Verhalten reagieren oder die Schule verweigern. „Es gibt viele Jugendliche, die zu uns kommen und vorher von Einrichtung zu Einrichtung gereicht wurden. Sie werden ausgegrenzt und stigmatisiert“, erklärt Böhle.

In der neuen Wohngruppe sollen die jungen Menschen auf dem Weg in ein normales Leben bis in die Selbstständigkeit begleitet werden. „Wir glauben an die Jugendlichen und sehen, welches Potential in ihnen steckt“, sagt Böhle. Die Jugendlichen sollen zunächst in der Einrichtung beschult werden. Längerfristig sollen sie in Kasseler Regelschulen integriert werden.

Voraussetzungen für die Aufnahme in die Wohngruppe am Brasselsberg sind ein gutes Sozialverhalten und die Bereitschaft zur Integration in ein normales Leben. Insgesamt zehn Erzieher werden sich in Vollzeit rund um die Uhr um sie kümmern.

Hintergrund: "Positive Effekte für den gesamten Stadtteil"

Die Pläne wurden vom Ortsbeirat durchweg positiv aufgenommen. Ortsvorsteherin Vera Wilmes: „Wir werden keine Berührungsängste haben, und ich werde als Ortsvorsteherin alles dafür tun, damit sie nicht mit Vorurteilen konfrontiert werden. Ich möchte mir von der Jugendwohngruppe gerne ein Bild vor Ort machen.“ 

Bernd-Günter Ullrich, Vorsitzender des Kirchenvorstands, betonte: „Sie können sich der Unterstützung durch die Kirchengemeinde Brasselsberg sicher sein und von uns eine gute Nachbarschaft und ein gutes Miteinander erwarten. Das Projekt wird sicher positive Effekte für den gesamten Stadtteil haben.“ 

Einige Anwohner äußerten Bedenken, dass die Jugendlichen wieder rückfällig werden könnten. Diese Bedenken wurden durch Andreas Böhle ausgeräumt: „In der Jugendwohngruppe gelten klare und verbindliche Regeln. Fehlverhalten tolerieren wir nicht. Generell haben unsere Jugendlichen eine geringere Rückfallquote als im Jugendvollzug.“

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