Eigentümerfamilie stellte Hotel zur Verfügung

An der Seebergstraße sind fünf Frauen und zwei Kinder aus Somalia eingezogen

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Herzlicher Empfang: Hotelinhaberin Johanna Bornhütter lud die fünf Somalierinnen und ihre Kinder nach der Ankunft in Kassel zu einem gemeinsamen Essen an einer liebevoll gedeckten Tafen in der Villa Seeberg ein.

Kassel. In der Villa Seeberg sind die ersten Flüchtlinge angekommen. Am Dienstag sind fünf Somalierinnen mit zwei Kindern in dem Haus an der Seebergstraße eingezogen. Wie berichtet, hat die Eigentümerfamilie Bornhütter das Hotel der Stadt Kassel als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt.

Nach vier Tagen scheinen die Frauen sich schon ein wenig eingelebt zu haben. Eine junge Mutter kommt mit ihrem dreijährigen Jungen aus der Küche, der munter hüpfend ins Esszimmer geht und Johanna und Horst Bornhütter mit einem Lächeln begrüßt.

Bei der Ankunft am Dienstag hätten die Frauen sehr verängstigt gewirkt, erzählt Johanna Bornhütter. Sie habe zum Willkommen eine Suppe mit Hühnchen, Gemüse und Quinoa gemacht. "Ich hatte gehofft, dass ihnen das schmeckt - und so war es auch", sagt die Kasselerin, die die Villa Seeberg seit über zehn Jahren als kleines Hotel und Tagungshaus betreibt.

Schon beim gemeinsamen Essen sei die erste Fremdheit gewichen, die Frauen langsam aufgetaut. "Ich habe den Eindruck, sie sind jetzt einfach glücklich, hier zu sein", sagt Johanna Bornhütter. Das war auch ihr Anliegen: den Flüchtlingen, die Schlimmes hinter sich haben, Sicherheit, Ruhe und Geborgenheit zu geben. "Wir wollen alles tun, damit sie sich hier wohlfühlen", sagt die ausgebildete Supervisorin, die selbst einmal Flüchtlingskind war: Die Familie floh während des Zweiten Weltkriegs aus dem Sudentenland.

Um die professionelle Beratung der Flüchtlinge kümmert sich der Caritasverband. Aus der Nachbarschaft an der Seebergstraße gebe es zudem eine "Welle der Hilfsbereitschaft", berichtet das Eigentümerehepaar Bornhütter. Eine pensionierte Lehrerin habe angeboten, den Bewohnern unentgeltlich Deutschunterricht zu geben, andere Nachbarn wollen den Flüchtlingen helfen, sich im riesigen Warenangebot im Supermarkt zurechtzufinden und sie bei den ersten Einkäufen begleiten. Für die Kinder sollen Spielsachen organisiert werden. Ein dreijähriger und ein sieben Monate alter Junge wohnen derzeit mit ihren Müttern in der Villa Seeberg, eine der Frauen ist zudem mit Zwillingen schwanger.

Wann die nächsten Bewohner einziehen, steht derzeit noch nicht fest. Bisher dürfen lediglich bis zu 15 Personen dort wohnen, weil das Hotel nur für diese Zahl an Übernachtungsplätzen genehmigt war. Die Bauaufsicht hat jetzt einige Änderungen, zum Beispiel einen zweiten Fluchtweg gefordert, damit - wie vorgesehen - bis zu 25 Menschen in der Villa Seeberg wohnen können. Nach dem Ärger um die gekündigte Brandversicherung nimmt Johanna Bornhütter die Hürden inzwischen mit Gelassenheit: "Ich habe mich entschieden, das als normale Anfangsschwierigkeiten anzusehen."

Von Katja Rudolph

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