Kirche modernisiert Trauungszeremonie - Empfehlung für gleichgeschlechtliche Paare

Segen auch für schwule Paare

Sie präsentierten das neue Trauungsbuch: Bischof Dr. Martin Hein (von links), Prälatin Marita Natt und Propst Helmut Wöllenstein. Foto Dilling

Kassel. Mit neuen Regeln und Anregungen für die kirchliche Hochzeit entstaubt und modernisiert die evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck die bisher gültige Trauungszeremonie von 1973.

Das neue Kirchenbuch zur Gottesdienstordnung bei Trauungen wurde jetzt von Bischof Dr. Martin Hein im Haus der Kirche in Kassel vorgestellt. Gleichzeitig präsentierte er mit Prälatin Marita Natt und Propst Helmut Wöllenstein einen Leitfaden, eine sogenannte Handreichung, für Pfarrer zur Segnung eingetragener Lebenspartnerschaften: Auch schwule Paare erhalten so Gottes Segen. Die kurhessische Landeskirche sei damit Vorreiter in Deutschland, sagte Bischof Hein.

Es gebe hinsichtlich eingetragener Lebenspartnerschaften keine „Abwertung gegenüber der Trauung von Ehepaaren. Auch gleichgeschlechtliche Paare erhielten einen regulären Gottesdienst, die Glocken dürfen läuten“, sagte Hein. Sie würden auch ins Kirchenbuch eingetragen. Sie habe bereits vergangenes Jahr in Rotenburg zwei männliche Lebenspartner unter großer Anteilnahme der Bevölkerung gesegnet, sagte Prälatin Natt.

Die Reaktion der übrigen Landeskirchen sei ausgesprochen positiv, sagte Bischof Hein. Allerdings sei die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auch in Kurhessen noch umstritten. Einzelne Pfarrer könnten sich aus Gewissensgründen weigern, diese zu segnen. Dann sorge man aber dafür, dass ein Kollege die Zeremonie übernimmt. Im Gegensatz zum Kirchenbuch für Trauungen ist der Leitfaden für die Segnung für die Pfarrer nicht verbindlich.

Mit den neuen Regeln für die Trauungszeremonie, die mehr Raum für die Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensentwürfe von Paaren und unterschiedliche religiöse Ausrichtung lassen, will die Kirche auch Boden gegenüber weltlichen, kommerziellen Anbietern von Hochzeitszeremonien gutmachen. Diese träten in Konkurrenz zu den Pfarrern, sagte Prälatin Natt. Die Landeskirche verzeichnete vor 13 Jahren noch 3100 Trauungen, 2012 war es ein Drittel weniger. Die Segnung von Lebenspartnerschaften spielt noch keine große Rolle. Es seien im Schnitt fünf Zeremonien pro Jahr, hieß es. (pdi)

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