Nachruf

„Sein charmantes Lächeln beruhigte die Menschen“ - Kasseler Wachpolizist Cüneyt Atasoy ist gestorben

Beliebter Fußballer und Polizist: Cüneyt Atasoy ist im Alter von 50 Jahren gestorben.
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Beliebter Fußballer und Polizist: Cüneyt Atasoy ist im Alter von 50 Jahren gestorben.

Der Wachpolizist und Fußballer Cüneyt Atasoy ist im Alter von 50 Jahren gestorben.

Kassel – „Er konnte alles. Objektschutz, Verkehrsüberwachung, Gewahrsamsdienst und Gefangenentransporte. Zum Schluss hat er noch eine Ausbildung für den bewaffneten Schutz an der Kontrollstelle des Flughafens in Calden gemacht“, sagt der Polizist Mike Hoffmann über Cüneyt Atasoy. Der Wachpolizist Atasoy sei ein Multitalent gewesen. Im Alter von 50 Jahren ist Cüneyt Atasoy am 4. August völlig überraschend gestorben.

Rund 200 Menschen nahmen am Mittwoch Abschied von Cüneyt Atasoy auf dem Kasseler Westfriedhof. Darunter auch viele Fußballer, Trainer und Spieler. Atasoy ist nämlich auch eine Größe im Kasseler Fußball gewesen, beim FSV Kassel und VfB Süsterfeld war er aktiv.

Cüneyt Atasoy wurde am 8.  Januar 1971 in Milas, einer Stadtgemeinde in der türkischen Ägäisregion, geboren. Als Kleinkind kam er mit seiner Familie nach Kassel. Er wuchs in der Afrikasiedlung auf, besuchte die Grundschule am Lindenberg und anschließend die Gesamtschule Waldau, wo er seinen Realschulabschluss machte. 1989 begann Atasoy eine Ausbildung im Kaufhof zum Einzelhandelskaufmann.

Damals lernte Atasoy auch Ernesto Plantera kennen, der ebenfalls eine Ausbildung im Kaufhof machte und heutzutage Geschäftsführer bei dem Sicherheitsunternehmen „Protex“ ist. „Wir haben jeden Tag zusammen in der Ausbildung verbracht“, erzählt Plantera. Cüneyt Atasoy sei ein „grundehrlicher Mensch“, lieb und freundlich gewesen, einer mit einem trockenen Humor. Plantera erinnert sich an viele lustige Begebenheiten, aber man habe mit ihm auch ernste Gespräche führen können. Cüneyt Atasoy sei sehr beliebt gewesen, ein „richtiger Pfundskerl“, ein Sportler und Nordhesse durch und durch.

In der Sportabteilung des Kaufhofs arbeite Atasoy bis zum Jahr 2002. Dann wollte er noch mal eine Veränderung in seinem Leben haben und bewarb sich bei der Wachpolizei im Polizeipräsidium Nordhessen, erzählt Mike Hoffmann. Hoffmann war dort nicht nur sein Vorgesetzter, sondern auch sein Fußballtrainer. 2011/2012 spielte Libero Atasoy noch mal bei den Senioren des FSV Kassel.

Als Polizist habe Atasoy seine Aufgaben immer schnell umgesetzt, auf ihn sei immer Verlass gewesen. „Er war aber auch einer, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg gelassen hat.“ Für viele jüngere Kollegen sei er ein Vorbild gewesen. Gefangene, mit denen er zu tun hatte, habe er nie von oben herab behandelt, sondern immer anständig. Durch seine charmante Art habe er immer deeskalierend gewirkt. „Sein charmantes Lächeln hat die Menschen beruhigt, auch die Gefangenen“, sagt Hoffmann. „Er hat die Menschen für sich gewonnen, ohne sich dafür verstellen zu müssen.“

Atasoy war aber nicht nur bei der Schutzpolizei, sondern war auch ein gefragter Mann bei der Kasseler Kripo. Er wurde gern als Übersetzer eingesetzt. Nach dem Mord an Halit Yozgat im April 2006 gehörte er ein halbes Jahr der Mordkommission Café an, die damals gegründet worden war.

Darüber hinaus sei Cüneyt Atasoy ein absoluter Familienmensch gewesen. Mit seine beiden Kindern, der 19-jährigen Tochter und dem 14-jährigen Sohn, sowie seiner Mutter und den Brüdern mit Familie, lebte er zusammen in Fuldabrück. Für seine beiden Kinder habe er alles getan, aber auch seine Neffen gefördert, erzählt Hoffmann. Ein Neffe ist zur Polizei nach Niedersachsen gegangen. Dem habe er natürlich Tipps für den Berufsweg gegeben.

Auch wenn Cüneyt Atasoy durch und durch Nordhessse war und auch gern gefeiert hat, so konnten seine Kollegen den Moslem zu einer Sache nicht bewegen: Er hat es immer abgelehnt, ein Stück „Ahle Wurscht“ zu probieren, erzählt Hoffmann. (use)

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