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Er tourte mit vielen Stars und fand sein Glück über der Bühne

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Von: Matthias Lohr

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Baute die Bühnen für Rammstein, Andrea Berg und andere auf: René Nossem war als Veranstaltungstechniker viel unterwegs.
Baute die Bühnen für Rammstein, Andrea Berg und andere auf: René Nossem war als Veranstaltungstechniker viel unterwegs. © Privat/nh

Veranstaltungstechniker René Nossem tourte mit Stars wie Rammstein. Die Bühne war sein Leben. Nun starb er mit nur 54 Jahren. Ein Nachruf.

Kassel – Als Salomé Plambeck noch in die Grundschule ging, nahm ihr Vater sie mit auf eine große Tour. René Nossem arbeitete als Veranstaltungstechniker und reiste damals mit Schlagerstars wie Andrea Berg durch die Republik. Im Tourbus fuhren alle gemeinsam von Stadt zu Stadt, wo er die Bühnen aufbaute. Salomé fand es toll und spielte Backstage mit der Tochter von Andrea Berg Uno. „Es war wie eine große Familie“, sagt sie.

Irgendwann später fragte die Tochter ihren Papa, ob er nicht wie die anderen Väter einen Job haben könnte, bei dem er um 18 Uhr zu Hause ist. René Nossem antwortete: „Das würde ich gern, aber dann wäre ich nicht mehr glücklich.“

Der Kasseler hatte seine Leidenschaft zum Beruf gemacht, wie es oft heißt, und war glücklich damit. Am 10. Oktober starb er in Düsseldorf, wo er bei einer Messe tätig war, mit nur 54 Jahren einen plötzlichen Herztod. In der Todesanzeige von zahlreichen Freunden hieß es: „Seine herzliche Art hat Menschen in Kassel und weltweit zusammengebracht. Kollegen wurden zu Freunden. Du wirst uns fehlen – im Tourbus, auf der Bühne, in der Gemeinschaft, im Leben.“

René Nossem hatte sich in all den Jahren ein großes Netzwerk aufgebaut, wie sein Freund Dirk Thorbrügge sagt. Wo er auch unterwegs war, überall traf er Bekannte aus der Veranstaltungsfamilie. Beide hatten in den 1990er-Jahren bei Konzerten in Kassel als Helfer gejobbt. René Nossem arbeitete für Udo Jürgens, die Backstreet Boys sowie Sisters of Mercy und fand Gefallen daran. Sein BWL-Studium brach der gebürtige Hofgeismarer ab, der in Kassel aufgewachsen und an der Albert-Schweitzer-Schule sein Abi gemacht hatte.

Er absolvierte die Prüfung zum Veranstaltungstechniker, machte sich selbstständig und spezialisierte sich auf das Rigging. So werden in der Branche die Höhenarbeiter genannt, die alles auf- und abbauen, was unter der Decke hängt. Es ist kein ungefährlicher Job, aber auch kein langweiliger. Man kommt mit vielen Menschen zusammen und sieht immer wieder etwas Neues. René Nossem tourte mit Bands wie Rammstein, Scooter und Sunrise Avenue. Jeden Sommer baute er das Open Flair in Eschwege mit auf. Zugleich konzentrierte er sich auf Messen.

Dieses Leben ist aber auch ein „Nomadenleben“, wie sein Schulfreund Stefan Otto sagt. In der ersten Klasse wurden die beiden Freunde und blieben es ein Leben lang. In der Oberstufe spielten sie in einer Band zusammen Gitarre. „René hat sich mit allen Menschen auseinandergesetzt und hatte niemandem gegenüber Vorurteile“, sagt Stefan Otto. „Er war ein von Grund auf lieber Mensch“, sagt Dirk Thorbrügge. Die Folgen der Pandemie, die die Veranstaltungsbranche wie keine andere traf, machten auch ihm zu schaffen. Erst dieses Jahr ging es wieder richtig los.

Die Beziehung zu seiner Partnerin, mit der er die Töchter Salomé und Chiara hatte, ging in die Brüche, als die Mädchen klein waren. Beide lebten bei der Mutter. Salomé kehrte später zu ihrem Vater zurück. „Ich habe so viel von ihm gelernt. Für mich war er der intelligenteste Mensch, den es gab“, sagt die 25-Jährige.

Vor zwei Jahren organisierte René Nossem eine bewegende Trauerfeier für seinen Freund Heiko Scheffel mit, der damals plötzlich gestorben war. Dessen großen weißen Schäferhund nahm er bei sich im Vorderen Westen auf. Cora hat jetzt zum zweiten Mal ihr Herrchen verloren und lebt nun bei der Freundin von René Nossem. (Matthias Lohr)

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