Seit 40 Jahren gibt es den Baby-Notarztwagen des ASB

Hilfe ab dem ersten Atemzug: Das ist die rollende Intensivstation für Neugeborene

Viel Technik und ein starkes Team: Assistenzärztin Dr. Britta Adams (von links) und Krankenschwester Nicole Wollenhaupt von der Neonatologie des Klinikums und ASB-Rettungssanitäter Ralf Küster demonstrierten gestern den Baby-Notarztwagen vor dem Klinikum. Fotos: Malmus

Kassel. Die Patienten sind winzig und es zählt jede Minute: Wenn Babys viel zu früh auf die Welt kommen oder Neugeborene schwer krank ins Leben starten, brauchen sie sofort die optimale medizinische Versorgung.

Damit sie schon beim Transport zur Spezialstation des Kasseler Klinikums bestmöglich versorgt sind, gibt es seit 40 Jahren den Baby-Notarztwagen des ASB.

Seit 27 Jahren mit dabei: Oberarzt Dr. Bernd Herrmann zeigt an einer Babypuppe, wie die Behandlung im Inkubator funktioniert.

Die Fahrt in einem normalen Rettungswagen wäre für ein Neugeborenes ein zusätzliches Risiko: Die Erschütterungen auf holprigen Strecken könnten zu Gehirnblutungen führen. Der Baby-Notarztwagen ist deshalb besonders gut gefedert. Außerdem steckt viel Medizintechnik darin, die speziell auf Neugeborene ausgerichtet ist. „Es geht darum, die Zeit bis zur Ankunft auf der Intensivstation zu überbrücken“, sagt Dr. med. Bernd Herrmann, Oberarzt der Frühgeborenen-Intensivstation des Klinikums.

Der Baby-Notarztwagen ist in ganz Nordhessen im Einsatz. Im vergangenen Jahr ist er 115 Mal gerufen worden. Ein typischer Fall: In einer Kreisklinik – etwa in Eschwege oder Schwalmstadt – kommt es zu einer Frühgeburt, die nicht vorhersehbar war. Für die Versorgung von Frühchen sind die Krankenhäuser dort aber nicht ausgerüstet. Dann kommt der Baby-Notarztwagen und holt die kleinen Patienten ab, die mitunter kaum 500 Gramm wiegen.

Die erste Generation: Das war das erste Modell des Baby-Notarztwagens, der 1976 in Betrieb ging.

„Auf der Hinfahrt können wir noch Gas geben“, sagt Philipp Brake vom ASB-Regionalverband Nordhessen. Ist das Baby dann an Bord, ist ein besonders schonender Fahrstil zum Schutz des empfindlichen Passagiers angesagt. Vor Jahren, als die Fahrzeuge noch nicht so gut gefedert waren, hielt einmal eine Krankenschwester einen in der 28. Woche geborenen Säugling im Inkubator die ganze Fahrt auf Händen, um ihn vor Erschütterungen zu schützen.

Aber auch heute noch ist jeder Einsatz „mit viel Adrenalin verbunden“, sagt Schwester Nicole Wollenhaupt. Oft ist das Team zwei bis drei Stunden unterwegs und kämpft dabei oftmals um das Leben des Neugeborenen. Umso größer ist das Glücksgefühl, wenn alles gut geht. Fast alle Babys an Bord des Notarztwagens können gerettet werden.

Das steckt im Baby-Notarztwagen

Inkubator

Der Inkubator ist das Herzstück des Baby-Notarztwagens. In dem Brutkasten herrschen etwa 37 Grad (Körpertemperatur), damit das Neugeborene nicht auskühlt. Auch die Luftfeuchtigkeit wird geregelt, da die Haut der Säuglinge noch so dünn ist, dass mehr Feuchtigkeit darüber verdunstet. Auch der Sauerstoffgehalt im Inkubator wird überwacht. Auf dem Monitor unterhalb des Brutkastens werden alle Werte angezeigt.

Überwachungsgerät

Das externe Überwachungsgerät zeigt den Herzschlag, die Atmung und die Sauerstoffsättigung des Neugeborenen an. Diese Werte werden auch direkt am Inkubator angezeigt.

Infusionspumpe

Über den sogenannten Infusomaten wird das Baby mit einer speziellen Infusionslösung versorgt, die aus Glukose und Mineralstoffen besteht. Damit soll ein Austrocknen des Babys verhindert werden. Bei kranken Neugeborenen kann es schnell zu Flüssigkeitsmangel kommen. Auch Medikamente, z.B. Antibiotika, können über die Infusion eingespritzt werden.

Beatmungsgerät

Wenn der Säugling nicht selbstständig atmen kann oder Gefahr besteht, dass die Kräfte während des Transports schwinden, wird das Beatmungsgerät angeschlossen. Dann wird ein Schlauch von dem Gerät, das über eine Sauerstoffflasche gespeist wird, zu dem Patienten im Inkubator gelegt. Etwa die Hälfte der Babys im Notarztwagen wird beatmet.

Notfallrucksack

In dem Koffer sind verschiedene Sets für die Basisbehandlung vorbereitet: für die Beatmung sind etwa Schläuche, Atemmasken und Klebepflaster zusammengepackt, für das Anlegen einer Infusion die Braunülen mit feinsten Nadeln. Auch Narkosemedikamente, Spritzen und Stethoskope sind dort auf einen Griff bereit.

Behandlungstisch

Hier wird der Inkubator für den Transport aufgesetzt. Der Behandlungstisch ist quer zur Fahrtrichtung eingebaut und speziell gefedert, damit es während des Transports des Patienten möglichst wenig Erschütterungen gibt. Frühgeborene können sehr leicht Hirnblutungen bekommen.

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