Seit Weihnachten: Achterbahn bei den Benzinpreisen

Kassel. Autofahrer, die in diesen Tagen an die Tankstelle fahren, trauen ihren Augen kaum: Die Preise an den Zapfsäulen sind über Weihnachten deutlich gestiegen und fahren scheinbar Achterbahn.

Teilweise steigen und fallen sie im Tagesverlauf um über zehn Cent. Wer am Morgen für Super 1,58 Euro bezahlt hat, ärgert sich am Abend, dass er nun für unter 1,50 Euro tanken könnte. Der ADAC verzeichnet bundesweit einen Anstieg des Preises für Super binnen einer Woche um 4,4 Cent. Nach Angaben des Internetportals clever-tanken.de schwankt der Preis für Super an Kassels Tankstellen seit 10. Dezember zwischen 1,48 und 1,58 Euro. Im gleichen Zeitraum 2010 waren das Benzin günstiger und die Preise weniger wechselhaft. Diesel kostet derzeit 1,46 Euro - fast so viel wie Super im vergangenen Jahr.

„Die Kunden sind frustriert“, sagt Helmut Zufall, dem eine Tankstelle in Bettenhausen gehört. Er ärgert sich selbst über die ständigen Preisänderungen. Auch er müsse sich an den Vorgaben der Mineralölkonzerne orientieren, von denen er den Kraftstoff kauft. „Wir müssen das notgedrungen mitmachen“, sagt Zufall. Die Kunden zeigten aber Verständnis für die Lage der Tankwarte. Zufall beobachtet, dass die Preise in der Nacht teilweise um zehn, elf Cent steigen, um im Laufe des Tages schrittweise zu fallen. „Abends geht dann das Spielchen von vorn los“, sagt Zufall. Der Tipp, am Montag zu tanken, weil der Sprit nach dem Wochenende am günstigsten sei, gelte schon nicht mehr. Konkurrenz beobachtet Die Kunden nehmen sich die Empfehlung aber weiter zu Herzen.

„Der Montag ist der Tanktag schlechthin“, sagt Mandy Adler von der Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße. Für die Pächterin sei es derzeit sehr anstrengend. Sie müsse täglich mehrfach die Preise der Konkurrenz an den Konzern melden, der dann reagiert. Bei drei bis vier Preisänderungen am Tag bedeute das eine Menge Aufwand. „Aber wenn wir nicht auf Zack sind, dann fahren die Kunden vorbei“, sagt Adler. Die freien Tankstellen könnten ihren üblichen Preisvorteil gegenüber den Konzernen derzeit nicht halten, sagt Kerim Parlatan, Inhaber der Elan-Tankstelle in Niederzwehren.

Dafür seien die Vorgaben von Aral, Shell und Co. zu scharf kalkuliert. Parlatan sieht die aktuelle Preisrallye als Folge des schlechten Geschäfts mit dem neuen Super E10. Die Kunden mieden den Sprit mit höherem Anteil an Bio-Ethanol noch immer und griffen eher zum bewährten Kraftstoff, der drei Cent mehr kostet. „Die Investitionen für die Einführung von E10 müssen wieder reinkommen“, mutmaßt Parlatan, der derzeit immer öfter verärgerte Kunden beschwichtigen muss. „Was soll ich tun? Ich bekomme doch nur meine feste Provision.“

Von Marcus Janz

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