Über 80 Millionen von Steuersündern

Selbstanzeigen beim Finanzamt Kassel 2014 auf hohem Niveau

Hier werden nordhessische Selbstanzeigen bearbeitet: Das Finanzzentrum am Kasseler Altmarkt kümmert sich um reuige Steuersünder. Archivfoto: Herzog/ Charterflug Kassel

Kassel. 453 Steuersünder haben sich 2014 beim Finanzamt Kassel II-Hofgeismar selbst angezeigt. Gegenüber 2012 hat sich die Summe, die so in die Staatskasse fließt, verzehnfacht.

Damit ist die Zahl der Selbstanzeigen im Vergleich zum Vorjahr (511) zwar leicht gesunken, dafür floss mit 80,5 Mio. Euro aus Nordhessen so viel Geld aus Steuerstraftaten in die Staatskasse wie seit einigen Jahren nicht mehr. Im Vergleich zu 2012 ist es eine Verzehnfachung der Summe. Die Finanzbehörden machen verschiedene Ursachen dafür verantwortlich.

Zusätzliche CD-Ankäufe mit Steuerdaten, der Fall Hoeneß, die Veröffentlichung von Steuerbescheiden aus Luxemburg (Luxemburg-Leaks) und die zum 1. Januar 2015 verschärften Regelungen bei Selbstanzeigen hätten für die große Zahl an Selbstanzeigen gesorgt, erläutert Siegfried Werling von der Oberfinanzdirektion in Frankfurt auf HNA-Anfrage.

2012 hatte die Zahl der Selbstanzeigen im Zuständigkeitsbereich der Bußgeld- und Strafsachenstelle des Kasseler Finanzamtes nur bei 136 gelegen. Die reuigen Steuersünder mussten seinerzeit insgesamt 8,2 Mio. Euro Steuernachzahlungen leisten. Das Finanzamt Kassel II-Hofgeismar bearbeitet zentral sämtliche Selbstanzeigen aus Stadt und Landkreis Kassel sowie jene aus den Bereichen der nordhessischen Finanzämter Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Eschwege-Witzenhausen, Korbach-Frankenberg und Fulda.

Die 80,5 Mio. Euro, die als Steuernachzahlungen im vergangenen Jahr für nordhessische Steuersünder festgesetzt wurden, beziehen sich aber nicht allein auf Selbstanzeigen im Jahr 2014. Wegen der Bearbeitungszeit ging ein Teil der Summe auch auf Fälle aus dem Jahr 2013 zurück, sagt Werling von der Oberfinanzdirektion. In der Summe seien sowohl Nachzahlungen im zweistelligen Millionenbereich wie auch wesentlich kleinere Beträge enthalten.

Während hessenweit die Fallzahlen von 2844 (2013) auf 3495 noch weiter gestiegen sind, gibt es diesen Trend im Zuständigkeitsbereich des Kasseler Finanzamtes nicht zu beobachten. Insgesamt wurden in Hessen im vergangenen Jahr 220 Mio. Euro Steuernachzahlungen festgesetzt, 2013 waren es noch 127 Mio. Euro gewesen.

Zum 1. Januar 2015 waren die Regeln zur strafbefreienden Selbstanzeige verschärft worden. So wurde etwa die Grenze, bis zu der eine Steuerhinterziehung ohne Zahlung eines zusätzlichen Geldbetrags bei einer Selbstanzeige straffrei bleibt, von 50 000 Euro auf 25 000 Euro gesenkt. Zudem wurden die Strafzuschläge erhöht. Sie richten sich nach der hinterzogenen Summe.

Von Bastian Ludwig

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