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Selbstverteidigung mit Taekwondo: So können Sie sich gegen Angreifer wehren

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Schüler und Meister: Taekwondo ist die gemeinsame Leidenschaft von Osman (links) und seinem Vater Seyfettin Eryörük. 

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, aber auch die Kunst der Selbstverteidigung. Worauf es körperlich und geistig ankommt und wie Sie sich in Gefahrensituationen selbst helfen können:

Wenn Seyfettin und Osman Eryörük den Trainingsraum in der Martial Arts Academy in Kassel betreten, sind sie nicht mehr Vater und Sohn, sondern Meister und Schüler. Ihre gemeinsame Leidenschaft ist die koreanische Kampfkunst Taekwondo. Deshalb stehen sie auf der Matte, trainieren zusammen und kämpfen gegeneinander.

Eigentlich ist es sogar mehr als eine Leidenschaft für sie, beide leben den Sport. Im Taekwondo geht es nämlich nicht bloß um Abwehr- und Angrifftechniken, die Kampfkunst soll auch den Geist formen.

Darum geht es im Taekwondo 

Das Wort Taekwondo setzt sich aus drei Silben zusammen. Tae steht für die Fuß-, Kwon für die Handtechniken, Do ist der Weg, die Kunst, die Lehre. Und genau darum geht es im Taekwondo. Die Schüler trainieren, wie sie Gegner abwehren und angreifen können. Es gibt 24 sogenannte Formen, die zu erlernen sind. Diese symbolisieren einen Reifeprozess: Mit jeder weiteren Form verfeinern die Schüler ihre Bewegungen und eignen sich neue Abwehr- und Angrifftechniken an. Gleichzeitig verinnerlichen sie die ethischen Werte der Kampfkunst.

Höflichkeit, Integrität, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin und Unbezwinglichkeit: Das sind die festgelegten Ziele des Taekwondo. Im Umgang mit anderen Menschen sollen die Schüler bescheiden und ehrlich sein, sie sollen Recht und Unrecht unterscheiden können, sich Ziele setzen und diese mit Geduld anstreben. Es geht außerdem darum, zu lernen, seinen Körper zu kontrollieren und einen unbezwinglichen Kampfgeist zu entwickeln. „Man muss sich in Geduld üben, bis man Taekwondo wirklich beherrscht“, sagt Osman Eryörük, der im Alter von fünf Jahren mit dem Sport angefangen hat. Damals wie heute ist sein Vater (51) sein großes Vorbild. Der hat Osman alles beigebracht, was er heute kann. Auf die Frage, wer der bessere Kämpfer von beiden ist, hat der 31-Jährige schnell eine Antwort: „Der Meister natürlich“ und zeigt dabei auf seinen Vater. Beide lachen.

Sein Vater ist sein großes Vorbild: Osman hat alles, was er kann, von Seyfettin Eryörük gelernt.  

„Wir sind hier alle ein Gast auf dem Planeten. Von uns wird nur eins übrig bleiben: etwas Gutes oder etwas Schlechtes“, sagt Seyfettin Eryörük. Er und sein Sohn wollen gute Menschen sein und sie wollen aus ihren Schülern bessere Menschen machen - und damit der Gesellschaft etwas gutes tun, wie sie sagen.

Im Taekwondo können die Kampfsportler Prüfungen ablegen, mit denen sie gewisse Schülergrade erreichen. Zu erkennen sind diese an den Gürtelfarben, die die Sportler zur Trainingsbekleidung tragen. Es gibt Weiß, Gelb, Grün, Blau, Rot und Schwarz. Danach haben die Kampfsportler den Grad Dan erreicht. Der höchste Grad ist der 9. Dan. Seyfettin Eryörük hat beispielsweise den 7. Dan, das heißt, er ist Master und beherrscht etwa 3000 verschiedene Techniken. Sein Sohn Osman hat den 4. Dan.

Zur Kritik am Kampfsport

Auch wenn Schüler ihren Körper mit Taekwondo zu einer Waffe ausbilden, betonen Seyfettin und Osman Eryörük, dass dort keine Schläger aufgezogen werden. „Es geht weniger um das Besiegen eines Gegners als um den Kampf mit sich selbst.“ Schüler lernen, respektvoll miteinander umzugehen, sich selbst zu vertrauen und ihren Körper zu beherrschen. Mit seiner jahrelangen Erfahrung fokussiert Osman seine Ziele haargenau und schafft es im Training beispielweise, selbst in einem Kampf mit hoher Geschwindigkeit, exakt einen Zentimeter vor dem Gesicht zu stoppen. Sein Gegenüber wird nicht verletzt. Er beherrscht seinen Körper. „Aggressivität hat hier kein Zuhause“, sagt der 31- Jährige. Auch im Wettkampf werden Gegner nicht verletzt, Treffer bringen zwar Punkte, jedoch schlagen oder treten die Sportler nicht brutal aufeinander ein.

Vor jedem Training sprechen die Schüler die Verpflichtung des Taekwondo aus. Damit verpflichten sie sich unter anderem, den Sport nie zu missbrauchen, sich für Gerechtigkeit einzusetzen und daran mitzuarbeiten, eine friedliche Welt zu schaffen. Daher ist sich Osman sicher: Ein Profi wird sein Wissen nicht dazu benutzen, jemanden ernsthaft zu verletzen. Selbst wenn es in einer realen Gefahrensituation brenzlich wird, wehren sie den Angreifer erst einmal ab und versuchen, ihn unter Kontrolle zu bringen. Nur, wenn es keinen anderen Ausweg gibt, kämpfen sie.

Selbstverteidigung

Taekwondo ist eine koreanische Kampfkunst, es ist aber auch die Kunst der Selbstverteidigung. In der Martial Arts Academy Kassel können Frauen und Mädchen lernen, wie sie sich bei Angriffen wehren können. Es braucht ein starkes Auftreten und Übung, damit sie sich in Gefahrensituationen selbst helfen können. In einem Probetraining hat HNA-Volontärin Daria Neu Verteidigungstechniken kennengelernt.

Los geht’s mit ersten Bewegungen: Daria ballt die Fäuste und schlägt auf die Pratzen - das sind Schlagpolster -, die Trainer Osman Eryörük hält. Sie lernt, wie sie Schläge abwehren kann – und zwar mit der Armaußenkante. Nach und nach schafft es Daria, die Bewegungen zu koordinieren. So hält sie nach jedem Schlag ihre Fäuste vors Gesicht, um in Deckung zu bleiben – und wehrt einen Gegenangriff mit den Armen ab. Später kommen auch Beintechniken dazu.

Ziel des Trainings in Selbstverteidigung ist es, einen Kampfgeist zu entwickeln. Die Frauen und Mädchen sollen selbstsicherer werden und ihre Ängste überwinden. 

Im Probetraining: HNA-Volotärin Daria Neu lernt, wie sie richtig zutritt.  

Osman macht Daria bewusst, wie sie in bestimmten Situationen reagieren kann. Einige scheinen auswegloser, als sie letztendlich sind. Oft sind es alltägliche Bewegungen, die uns im Ernstfall helfen können. Im Video zeigen wir Beispiele. „Es ist egal, ob ein Angreifer 80 oder 150 Kilo wiegt: Jeder Mensch hat Schwachstellen.“

Sich selbst helfen: Osman zeigt Daria, wie sie in verschiedenen Situationen reagieren kann. 

Wie die Trainingsstunde aus Sicht von Daria Neu abgelaufen ist, lesen Sie hier.

Ein Selbstverteidigungskurs der Martial Arts Academy besteht aus zehn Kurseinheiten. "Mit dem regelmäßigen Training verliert man die Angst vor Körperkontakt und stärkt sein Selbstbewusstsein", sagt Osman. Daher sei eine Trainingseinheit allein nicht ausreichend. 

Die Martial Arts Academy in Kassel

Die Martial Arts Academy hat ihre Wurzeln in der Kasseler Taekwondo Schule Lee. Seyfettin Eryörük hat die Schule 1992 von seinem Meister Lee Ky-Yung übernommen. Dieser war Generalsekretär von Choi Hong Hi - dem Erfinder des Taekwondo. Inzwischen leitet sein Sohn die Schule, nun unter dem Namen Martial Arts Academy. Dort trainieren Hobbysportler, aber auch Sportler, die an Amateur- und Profiwettkämpfen teilnehmen. Unterrichtet werden Taekwondo und Kickboxen.

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