„Unterhaltung ist die Leberwurst“

„Sendung mit der Maus“-Moderator Ralph Caspers zu Gast bei Kasseler Kinderbuchtagen

Autor und Moderator Ralph Caspers.
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Hat einen guten Draht zur Maus: Autor und Moderator Ralph Caspers.

Am Donnerstag wird Ralph Caspers („Sendung mit der Maus“) die Kasseler Kinderbuchtage „Spitzt die Ohren“ eröffnen.

Kassel – Erstmals nimmt das Literaturhaus Nordhessen auch Kinder in den Blick für eine regelmäßige Veranstaltungsreihe. Wir haben mit dem Fernsehmoderator über Fernsehen, Bücher und Neugier gesprochen.

Wie sah das Homeschooling im Hause Caspers aus?
Es war viel entspannter, ehrlich gesagt. Dadurch, dass die Fahrt zur Schule von einer dreiviertel Stunde hin und zurück entfallen ist. Unser jüngstes Kind, das noch zur Schule geht, kann super alles alleine machen.
Viele Kinder kennen Sie aus dem Fernsehen. Seit 2004 schreiben Sie erfolgreich auch Kinderbücher. Worin liegt Ihrer Meinung nach der Unterschied?
Gute Frage. In erster Linie mache ich Fernsehen und schreibe die Bücher für mich. Die Fernsehsendungen sind so, wie ich sie gucken würde, und die Bücher so, wie ich sie lesen würde. Insofern habe ich mir da ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Beim Fernsehen ist es natürlich so, man setzt sich hin und guckt es sich gern an. Das ist wahrscheinlich für viele Menschen nicht so anstrengend, wie Bücher zu lesen.
Kinder nehmen trotzdem aus Ihren Sendungen jede Menge Wissen mit.
Man muss es machen wie bei Hunden, denen man Medikamente gibt. Wir hatten mal einen Hund und der hat Tabletten nur mit ordentlich Leberwurst verschmiert gefressen. Und so ist es beim Fernsehen ja auch. Wir machen in erster Linie Unterhaltung, das ist die Leberwurst und manchmal bleibt auch was hängen. Das ist dann das, wo man in der Schule vielleicht abschalten würde.
Ihnen scheinen die Fragen niemals auszugehen. Wie haben Sie sich diese kindliche Sicht auf die Welt bewahrt?
Ich weiß nicht, ob das eine kindliche Sicht ist, oder eher eine neugierige Sicht. Wenn man einmal anfängt mit einer bestimmten Verhaltensweise – das ist in meinem Fall, sich immer zu fragen, wie etwas funktioniert –, dann läuft das irgendwann automatisch ab. Das ist ja bei allen Sachen, die man mal aufnimmt. Sei es Rauchen oder morgens duschen – wenn man das regelmäßig macht, wird das, wie man im Englischen sagt, „second nature“, das macht man sich so zu eigen. Und beim Fragenstellen und Neugierig-Sein ist es genau das Gleiche.
Aber als Erwachsener verlernt man dann doch das Neugierig-Sein.
Es ist auch anstrengend, neugierig zu sein, weil natürlich will man auch eine Antwort auf die Frage bekommen. Dafür muss man im schlimmsten Fall immer wieder nachfragen und sagen, dass man das noch nicht verstanden hat. Dieses Nachfragen nervt andere Leute, und Erwachsene kriegen ja auch mit und wissen, wie sehr das nerven kann, wenn man immer wieder Fragen gestellt bekommt. Weil sie vielleicht nicht nerven wollen oder ihnen das zu mühselig ist, hören sie damit auf. Das wäre für mich eine relativ plausible Erklärung.
2019 haben Sie für Ihr Engagement für die Bildung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Was verbinden Sie persönlich mit so einer Auszeichnung?
In erster Linie ist das eine Motivation, so weiter zu machen. Aber auch als Beispiel voranzugehen, dass es wichtig ist, sich zu engagieren, ehrenamtlich sich für andere Menschen einzusetzen. Denn ohne das sähe es schlecht aus in unserer Gesellschaft. Es ist leider so, dass man das Ehrenamt braucht. Und wenn ich dazu beitragen kann, das Ehrenamt bekannter zu machen, mache ich das sehr gerne. Und ich glaube, dazu diente auch diese Auszeichnung.
Worauf darf sich das Kasseler Publikum freuen?
Ich werde aus zwei Büchern mit Gute-Nacht-Geschichten vorlesen. Das heißt, ich werde sehr langweilig vorlesen. Mein Ziel ist es, dass so viele wie möglich einschlafen. Mal gucken, wie viele da schnarchend liegen. (Kirsten Ammermüller)

Zur Person Ralph Caspers

Ralph Caspers (49) wurde in Borneo geboren. Er studierte an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit 1999 moderiert und gestaltet Caspers gemeinsam mit Armin Maiwald und Christoph Biemann „Die Sendung mit der Maus“. Er moderiert die Sendung „Wissen macht Ah!“ sowie die Quizshow „Frag doch mal die Maus“. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Köln. 

Programm der Kasseler Kinderbuchtage

  • 9. 9., 16 Uhr, „Goethes PostamD“, Goethestraße 29-31: Ralph Caspers. 
  • 10. 9., 15 Uhr, Baumschule Steuber, Leipziger Straße 361: Lesical: Räuber im Regen mit Sascha Gutzeit.
  • 11. 9., 11 Uhr, Kulturzentrum Schlachthof, Mombachstraße 10-12: Picknick mit Lyrik: Das große Lalula mit Stefan Becker.
  • 11. 9., 15 Uhr, Jugendbücherei, Oberste Gasse 24: Bilderbuchkino: Stadtbär im Wald mit Katja Gehrmann.
  • 12. 9., 11.30 Uhr, Gloria-Kino, Friedrich-Ebert-Straße 3: Lesung und Film: Max und die Wilde 7 mit Lisa-Marie Dickreiter.
  • 12. 9., 14 Uhr, Theaterstübchen (Hof), Jordanstr. 11: Interaktive Abschlussperformance „Blabla und Quakquak“ mit Bene Schuba. literaturhaus-nordhessen.de

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