Über 70-Jährige dürfen gewählt werden

Senioren im Vorstand: Kirche kippt die Altersgrenze

Kassel. Für die evangelischen Kirchenvorstände in der Region gibt es künftig keine Altersobergrenze mehr.

Die Synode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat die bestehende Altergrenze am Dienstagnachmittag mit deutlicher Mehrheit gekippt. Bisher durften über 70-Jährige nicht mehr für den Kirchenvorstand kandidieren. Diese Regelung wird nun abgeschafft.

In geheimer Wahl stimmten 68 Synodale für den Wegfall der Altersgrenze, 19 dagegen. Es gab zwei Enthaltungen. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit (62 Stimmen) für die Änderung der Grundordnung der Kirche wurde damit deutlich überschritten. „Das ist ein klaren Signal, dass wir Wert auf die Mitarbeit aller Generationen legen“, sagte Kirchenrat Rudolf Schulze, Präses (Vorsitzender) der Synode, gegenüber unserer Zeitung.

Dennoch war es bis zuletzt eine Zitterpartie, ob die absolute Mehrheit zustande kommen würde. „Am Ende hat sich wohl die Einsicht durchgesetzt, dass sich die gesellschaftlichen Verhältnisse geändert haben und die Altersgrenze nicht mehr zeitgemäß ist,“ sagte Schulze. Ihre frühere Funktion als eine Art Schutzmechanismus vor Überalterung der Kirchenvorstände sei heute nicht mehr nötig. Es gebe inzwischen genug junge Menschen, die sich in den Kirchenvorständen einbringen.

Den Anstoß zur Abschaffung der Altersgrenze hatten fünf über 70-jährige Mitglieder der Johannesgemeinde Vellmar (Landkreis Kassel) gegeben. Sie fühlten sich durch die Regelung diskriminiert und hatten sogar vor dem Kirchengericht dagegen geklagt - ohne Erfolg. Dass nun die Synode die Grenze doch abgeschafft hat, erfüllte die ehemaligen Kirchenvorstände gestern mit großer Freude. Edda Winterberg, Sprecherin der Gruppe, war zu Tränen gerührt.

Wirksam wird der Wegfall der Altersgrenze bei den nächsten Kirchenvorstandswahlen im Jahr 2019. In der Landeskirche gibt es 800 Kirchenvorstände mit insgesamt 5000 Mitgliedern.

Von Katja Rudolph

Rubriklistenbild: © dpa

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