Rentnerpaar bekommt keinen Winterdienst

Muss selbst Schnee schippen: Peter G. (67) aus Wehlheiden bekommt keinen Winterdienst von den Stadtreinigern, weil der Gehweg vor seinem Haus zu schmal für das Räumfahrzeug ist. Unten: Auszug aus der Absage der Stadtreiniger. Fotos: Rissmann

Kassel. 16 Meter. So lang ist der Gehweg vor dem Haus von Gisela S. und Peter G. in Wehlheiden. Für den Winterdienst wollte das Rentnerpaar die Stadtreiniger beauftragen. Doch die beiden Senioren bekamen eine Absage.

„Wir haben das ja immer gerne selbst gemacht, aber schaffen das nun nicht mehr alleine“, sagt die 78-Jährige. Ihr Lebensgefährte hatte vor einigen Jahren einen Schlaganfall, seitdem einen gelähmten Arm und sie sei auch nicht mehr die Fitteste.

Doch die Stadtreiniger erteilten eine Absage. Begründung: Der Gehweg vor dem Haus sei mit 77 Zentimetern zu schmal für das Räumfahrzeug. Diese Begründung ärgerte die Seniorin ganz besonders: „Bei unserem direkten Nachbarn haben die Stadtreiniger zehn Jahre lang mit einem Schneepflug den Winterdienst gemacht.“

Als der Nachbar im vergangenen Jahr seinen Vertrag mit den Stadtreinigern kündigte, merkte er im Kündigungsschreiben an, dass die beiden seinen Vertrag gern übernehmen würden. Daraufhin hatten sich die Senioren telefonisch bei den Stadtreinigern nach einem Vertrag über den Winterdienst erkundigt. Dort teilte man ihnen mit, dass durch den schmalen Gehweg das Fahrzeug beschädigt werden könnte. Da haben sie die Welt nicht mehr verstanden: „Beim Nachbarn ging es ja offensichtlich.“

Zudem seien sie auch bereit, für eine eventuell notwendige Räumung mit der Hand auch mehr zu bezahlen. Schriftlich bekamen sie von den Stadtreinigern mitgeteilt, dass man für eine manuelle Räumung keine Kapazitäten habe. Man wisse nie, wie der Winter wird, und der Winterdienst der Stadtreiniger könne nicht so viele Arbeitskräfte auf Verdacht bereithalten. „Wir beschäftigen ausschließlich sozialversicherte Arbeitnehmer, das ist uns sehr wichtig“, sagt Klaus Heinemann, stellvertretender Betriebsleiter der Stadtreiniger. „Wenn es dann schneit, müssen wir zudem schnell sein, da bleibt keine Zeit für eine manuelle Räumung zwischendurch. Das wir dem Nachbarn in den 1990er-Jahren einen Vertrag gegeben haben, war ein Versehen“, sagt Heinemann. Grundsätzlich würden keine Aufträge angenommen, bei denen manuell geräumt werden müsse.

Nun wissen die Rentner nicht, wie es weitergehen soll, denn um die Räumpflicht kommen sie nicht herum. Für Heinemann ist das ganz klar: Es gebe eine Menge Anbieter von Winterdiensten in der Stadt, da müsse sich das Paar einfach anderweitig umsehen. Für viele Bürger ist das aber nicht so klar, da in der öffentlichen Wahrnehmung die Stadtreiniger für den Winterdienst zuständig sind. Allerdings sind sie nur zum öffentlichen Winterdienst verpflichtet. Bei den Angeboten an Privatkunden handeln die Stadtreiniger wie jeder andere private Dienstleister nach betriebswirtschaftlichen Interessen.

Von Diana Rissmann

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