Forscher untersuchen die Ausbreitung von Krankheiten durch den mobilen Menschen

Seuchen gehen auf Reisen

göttingen. Ob Schweine- oder saisonale Grippe – durch reisende Menschen können sich Infektionskrankheiten über den gesamten Erdball ausbreiten. Um auf die Gefahr gezielter reagieren zu können, versuchen Wissenschaftler, die Ausbreitung vorherzusagen.

Forschern des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) in Göttingen, der Uni Göttingen, der Northwestern University und des Massachusetts Institute of Technology in den USA ist es gelungen, das individuelle Reiseverhalten in mathematischen Modellen zu berücksichtigen.

Für ältere Modelle wurde vereinfachend angenommen, dass sich eine Infektion nach den Gesetzen der Diffusion ausbreitet, also ähnlich einem Gas, das aus einem Behälter entweicht.

„Dass in der globalisierten Welt aber neben kurzen Reisen auch solche über weite Strecken möglich sind, berücksichtigten diese Modelle nicht“, sagt Prof. Dr. Dirk Brockmann von der Northwestern University.

Neue Studien belegen, dass die meisten Menschen nur wenige Orte außerhalb der eigenen Wohnung regelmäßig aufsuchen, etwa den Arbeitsplatz oder den Supermarkt. Die Fernreise nach Mexiko ist die Ausnahme und die meisten Ziele steuert ein Mensch nie an.

Individuelle Wege

In ihren Modellen setzten die Forscher darum individuelle sternförmige Netzwerke an, Ausgangspunkt jeder Reise ist die eigene Wohnung. „Unsere Rechnungen zeigen, dass mit zunehmender Mobilität der Individuen die Ausbreitungsgeschwindigkeit einer Krankheit nicht – wie bisher angenommen – immer weiter anwachsen kann“, sagt Prof. Dr. Theo Geisel vom Max-Planck-Institut. Ob eine Person den Weg zur Arbeit einmal oder zweimal am Tag zurücklegt, beeinflusst die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Epidemie nur wenig.

Und noch ein Kriterium ist wichtig: Erst wenn die Dauer der Reise einen bestimmten Wert überschreitet, kann aus einer Epidemie eine globale Pandemie werden. Prof. Brockmann: „Es kommt also gewissermaßen nicht darauf an, wie oft man reist, sondern wie lange man unterwegs ist.“ (shx)

Ihre Studie veröffentlichten die Forscher in der Erstausgabe des Open-Access Journals Review X.

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