Neue Masche

Sexvideos: Erpressungsopfer sollten Geld ins Ausland transferieren

Kassel. Mit einer recht neuen Masche wollen Internet-Kriminelle an das Geld vor allem junger Männer gelangen: Mit Sexvideos werden die Opfer erpresst. Das fällt den Tätern deshalb so leicht, weil junge Leute recht locker mit Sexualität und Internet umgingen, wie die Polizei sagt.

In Mittelhessen beschäftigte sich die Polizei bereits im Herbst vergangenen Jahres mit der Erpressungsmasche „Sextortion“. Das ist die Bezeichnung für die Erpressung von Männern, die bei sexuellen Handlungen vor dem Computer gefilmt worden sind.

Lesen Sie auch

Neue Masche: Kasseler im Internet mit Sexvideos erpresst

Bei der Kriminalpolizei in Kassel wurde diese Art der Internetkriminalität vor einigen Wochen von gleich drei jungen Männer zur Anzeige gebracht. „Das war schon auffällig für uns“, sagt Kriminalhauptkommissar Jörg Bringmann. Zumal die Opfer sich nicht kannten. Daher geht die Kripo davon aus, dass es noch viel mehr Fälle dieser Art gibt und viele Opfer auf die Forderungen der Erpresser eingegangen sind.

Die Täterinnen setzten in der Regel auf die Unerfahrenheit der Opfer, die sie zuvor in sozialen Netzwerken des Internets kennengelernt haben. Sobald Opfer und Täterin die Kommunikation über Skype oder eine andere Videoplattform fortsetzten, um sich auch gegenseitig per Webcam sehen zu können, schmierten die Frauen den Opfern Honig um den Mund und lockten mit ihren körperlichen Reizen.

„Einige junge Männer lassen sich dann zu den sexuellen Handlungen vor der Kamera hinreißen“, sagt Bringmann. Viele Erwachsene wunderten sich darüber. Man dürfe aber nicht vergessen, dass für junge Menschen die neuen Medien inzwischen zum Alltag gehören. „Die sind heute viel lockerer.“ Bringmann nennt als Beispiel „Sexting bei Facebook“, wo junge Frauen erotische Bilder von sich ins Netz stellen, ohne sich über die Folgen weitere Gedanken zu machen. Im Fall von „Sextortion“ wird die Selbstbefriedigung der jungen Männer nach einigen Minuten jäh unterbrochen, sagt Bringmann.

Plötzlich änderten sich das Bild und auch der Tonfall der jungen Frau. Eine „Hacker-Stimme“ ohne Bild meldete sich stattdessen und forderte die Männer auf, 500 Euro über Western Union ins Ausland zu überweisen. Dort würde es dann von den Tätern oder Mittelsmännern abgeholt. Gingen die Opfer nicht auf die Forderung ein, würde das Video an alle persönlichen Facebook-Freunde der jeweiligen Männer weitergeleitet. Um die Drohung zu erhärten, erhielten die Männer eine Auflistung all ihrer dort aufgelisteten Freunde und Verwandten.

Es sei auch schon mit der Veröffentlichung bei „YouTube“ gedroht worden. Die drei jungen Männer aus Kassel, die sich nicht erpressen ließen, hatten Glück. Die Sexvideos, die von ihnen ohne ihr Wissen gedreht worden waren, hätten die Täter nicht ins Netz gestellt, sagt Bringmann. Die Ermittlungen erwiesen sich in diesen Fällen aber als äußerst schwierig. Die Frauen, die meist sehr schlecht Englisch sprechen würden, gäben vor, aus afrikanischen Ländern, Skandinavien oder Frankreich zu stammen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Achtung!

Nicht auf Forderung eingehen

Zur Verhinderung solcher Erpressungen raten die Präventionsstellen: Werden Sie misstrauisch, wenn Unbekannte Sie schnell zu einem Videochat einladen wollen! Werden Sie noch misstrauischer, wenn Ihr Gegenüber sich sehr schnell entkleidet und Sie auffordert, das Gleiche zu tun. Lassen Sie sich nicht auf sexuelle Handlungen beim Videochat ein. Geben Sie keine Nacktaufnahmen von sich an Fremde. Sollte es doch passiert sein und Sie werden erpresst - brechen Sie den Kontakt zu den Erpressern sofort ab, gehen Sie nicht auf deren Forderungen ein! (Trotz Zahlung wird nämlich das Video veröffentlicht!).

Wenden Sie sich sofort an YouTube oder Facebook und melden Sie Ihre Videos oder Fotos. Die beiden Portale löschen Videos oder Fotos mit sexuellem Inhalt sehr rasch. Vielleicht werden die Inhalte gelöscht, bevor sie überhaupt von den Erpressern freigeschaltet wurden. Sollten Sie erpresst worden sein und auch schon gezahlt haben - alle Beweise (Printscreen, Video, Verbindungsdaten, E-Mails, etc.) sichern und Anzeige wegen Erpressung erstatten.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.