Kaum Gäste in Restaurant

Coronavirus bringt öffentliches Leben in Schanghai weitgehend zum Erliegen: Kasseler Chefkoch berichtet

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Aufgrund von Coronavirus: Nur mit Maske nach draußen - Der gebürtige Kasseler Jörg-Peter Nödler lebt seit neun Jahren in Schanghai und arbeitet dort als Koch im Radisson Blu Hotel. 

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben in Shanghai weitgehend zum Erliegen gebracht, wie ein Koch aus Kassel berichtet. Auch Restaurants bleiben leer. 

  • Das Coronavirus immer noch nicht besiegt
  • Einem Koch aus Kassel fehlen die Gäste. 
  • An Valentinstag werden die Restaurants leer bleiben. 

Kassel/Schanghai – Am Valentinstag hätte Jörg-Peter Nödler eigentlich alle Hände voll zu tun als Küchenchef: Zum Fest der Liebenden brummt es in den Gourmettempeln der Stadt. Doch diesmal wird gähnende Leere herrschen in den vier Restaurants des Radisson Blu Hotels Schanghai, die der in Kassel geborene Koch verantwortet. Das Corona-Virus hat das öffentliche Leben in der größten chinesischen Stadt weitgehend zum Erliegen gebracht.

Auch das Geschäft des Fünf-Sterne-Hotels mit 520 Zimmern ist eingebrochen – es ist eins der wenigen, das überhaupt noch geöffnet hat. Normalerweise werden mehr als 1000 Mahlzeiten am Tag unter der Verantwortung des 47-jährigen Nordhessen an die Gäste des Hauses serviert. 

Coronavirus: Koch aus Nordhessen ist seit 9 Jahren in China 

Derzeit seien es kaum noch zwei Dutzend, berichtet Nödler, der von seinen Kollegen nur „Chef Peter“ oder „JP“ genannt wird. In der Personalkantine gebe es noch nennenswerten Betrieb, auch wenn die Hotelmannschaft ebenfalls stark heruntergefahren worden sei.

Aufgewachsen im Bad Karlshafener Ortsteil Helmarshausen, wo seine Eltern bis heute den „Klosterkrug“ als Pension betreiben, ist der Nordhesse für seine Karriere schon in der halben Welt herumgekommen. Seit neun Jahren lebt er in China, seit 2014 in Schanghai. 

Trotz Coronavirus fühlt der Koch sich sicher 

So wie im Moment habe er die Stadt noch nicht erlebt, berichtet Nödler im Telefonat mit der HNA, für das er ausnahmsweise den Mundschutz abgenommen hat. Die Straßen sind wie leer gefegt, zeigen Fotos, die Nödler uns geschickt hat. Viele Geschäfte, Restaurants und Bars haben geschlossen. Ein wenig „Endzeitstimmung“ komme da schon auf, sagt der 47-Jährige.

Soweit es gehe, bleibe die Bevölkerung zu Hause, überall in der Öffentlichkeit und vor Unternehmen gebe es Sicherheitspersonal, das mit Infrarot-Thermometern die Temperatur kontrolliert. Ohne Schutzmaske komme man ohnehin nirgendwo rein.

Im Hotel, wo Nödler von Dienstwegen eine Suite bewohnt, fühle er sich sicher, sagt der Koch, der an der Kasseler Knipping-Schule und im Restaurant „Calvados“ gelernt hat. Auch seine Frau, die aus Schanghai stammt, arbeitet momentan von zu Hause aus. „Wir sind hier wie in einer Festung.“ 

Alle Eingänge würden kontrolliert, jeder Gast mit Desinfektionsmittel versorgt. Auch frische Lebensmittel würden unter höchsten Hygienevorkehrungen angenommen, gewaschen und desinfiziert, bevor sie überhaupt in die Küche kommen. „Jedes Risiko soll vor der Tür bleiben.“ Rohe Lebensmittel sind von der Karte gestrichen, nur gegarte Speisen werden angeboten.

Auch Hotelzimmer, Fahrstuhlknöpfe, Rezeption und die Klimaanlage würden in engen Abständen desinfiziert. Trotz des gebotenen Respekts vor dem Virus will Nödler nicht in Panik verfallen. Dank der verordneten Vorsichtsmaßnahmen und der Disziplin der Bevölkerung gebe es in Schanghai bislang kaum Krankheitsfälle. Er selbst kenne niemanden, der betroffen ist.

Der Coronavirus ist für viele existenzbedrohend - berichtet der Koch 

In seiner Freizeit geht Nödler noch regelmäßig draußen spazieren und entdeckt dabei auch die schönen Seiten der menschenleeren Metropole. Nicht zuletzt sei die Luftqualität spürbar besser, weil kaum noch Autos unterwegs sind. 

Auch in der U-Bahn ist es kein Problem, einen Sitzplatz zu bekommen. Dennoch sehne er sich nach dem Tag, an dem das normale Leben wieder losgehe – und auch der Betrieb im Hotel. Für viele kleinere Gastronomen in der Stadt seien die Ausfälle schon jetzt existenzbedrohend.

Der Koch aus Kassel ist nicht der einzige Nordhesse der das Coronavirus in China miterlebt. Peter Schaumburg wohnt seit 20 Jahren in Peking. 

Das Coronavirus betrifft nicht nur das Arbeitsleben von dem Koch aus Kassel. Weltweit nehmen dadurch auch rassistische Anfeindungen zu. 

Video: Das sagt die Europäische Union zum Coronavirus 

Von Katja Rudolph

Inhaber von China-Restaurants in Kassel leiden seit Ausbruch des Coronavirus unter leeren Tischen und sinkenden Gästezahlen. 

In Kassel gibt es eine Zahntechnik-Firma , die genauso heißt, wie das Coronavirus, das derzeit die Welt in Atem hält.

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