Studenten aus Kassel entwickelten Konzepte für die Einkaufsstätte

Showkochen und eine App: So könnte die Markthalle fit gemacht werden

Einkaufen im historischen Marstall: Vor 50 Jahren waren die Kasseler Markthändler vom Königsplatz und vom Entenanger in die heutige Markthalle umgezogen. Die Stadt hatte den kriegszerstörten Marstall für diesen Zweck wieder aufbauen lassen. Foto: Fischer

Seit 50 Jahren gibt es die Kasseler Markthalle im historischen Marstall. Doch für die 70 Marktbeschicker und ihre Kunden ist unklar, wie die Zukunft aussieht.

Der Pachtvertrag zwischen der Stadt und der Markthallen-Betriebs-GmbH läuft nur noch bis Mai 2017. Bis dahin soll ein neues Konzept für die in die Jahre gekommene Markthalle gefunden werden, gibt Geschäftsführer Andreas Mannsbarth das Ziel vor.

Zum Auftakt haben sich Studierende des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Kasseler Universität Gedanken gemacht, wie dem Marktgeschehen auf die Sprünge geholfen werden könnte. Denn die Lücken in den Marktständen werden größer, die Marktbeschicker haben Nachwuchsprobleme. Auch die älteren Stammkunden werden immer weniger, jüngere Kunden sind kaum in Sicht, haben die Studenten herausgefunden. Und: Fast alle Kunden würden sich mehr Öffnungszeiten wünschen. Derzeit ist die Markthalle nur Donnerstag, Freitag und Samstag geöffnet.

Die frischen Ideen für die Markthalle sollen Anregungen für das künftige Einkaufserlebnis im Marstall liefern.

Showkochen soll Besucher locken

In Zusammenarbeit mit Köchen und Gastronomiebetrieben in der Region könnte die Markthalle regelmäßig zur Showküche werden. Auf einer Bühne werden die Speisen mit regionalen und saisonalen Produkten von Profis zubereitet und können gekostet werden. Besucher, die Rezepte nachkochen möchten, können gleich komplette Tüten mit den Zutaten bei den Markthallen-Händlern kaufen und mitnehmen. Nebeneffekt: Die Restaurants und Gaststätten können die Showküche zur Werbung für ihre Angebote nutzen.

Service für die Markthändler

Das Konzept Markthalle 2.0 sieht einen Komplettservice für die Markthallen-Beschicker vor. Bauern, Metzger, Bäcker und andere haben zu wenig Zeit, um selbst am Stand zu stehen, und können sich meist auch kein zusätzliches Personal leisten. Die Markthalle würde mit zuverlässigen Transportunternehmen die Belieferung der Stände und mit professionellem Personal auch den Verkauf der Produkte übernehmen. Das Serviceangebot könnte den Markthändlern Kosten sparen und erweiterte Öffnungszeiten der Markthalle ermöglichen.

Veranstaltungen unterm Dach

Das riesige, leer stehende Dachgeschoss der Markthalle könnte ausgebaut und dann für regelmäßige Konzerte, Lesungen, Theater, Kunstausstellungen, Flohmärkte und private Feiern genutzt werden. Die Markthändler könnten die Gäste unterm Dach bewirten und komplette Angebote für Veranstaltungen machen. Von den zusätzlichen Besuchern würde auch das Marktgeschehen profitieren. Und für alle Besucher der Markthalle soll es bei diesem Konzept auch freies W-Lan für die Nutzer von Smartphones und mobilen Computern geben.

App soll Kunden Appetit machen

Mit einer Markthallen-App könnten vor allem jüngere Kunden gewonnen werden, die derzeit fehlen. Für Besucher ist die Halle unübersichtlich, die Orientierung schwierig, man braucht Zeit, um die gesuchten Produkte und Stände zu finden. Das könnte mit einer digitalen, werbefinanzierten Applikation für Smartphones ganz anders werden: Aktuelle Angebote, Navigation zu den Händlern, Anbieterlisten, Informationen zu Marktbeschickern, Erzeugern und Produkten sollen Jüngeren und Kassel-Touristen mehr Appetit auf die Markthalle machen.

Gastro-Meile im Erdgeschoss

Frische Ideen für die Markthalle aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Uni Kassel: Dr. Philipp Menschner, Andreas Mannsbarth, Dominic Kiehl und Robin Knote (von links) bei der Präsentation der Ergebnisse in der Gaststätte „Zum Käpt’n“ in der Markthalle. Foto: Schachtschneider

Weil es besonders mittags zu wenige Kunden in der Markthalle gibt, könnte dort im Erdgeschoss eine Gastro-Meile entstehen. Alle Marktstände würden dann ins Untergeschoss verlegt. Essen in der Markthalle soll so für viele Berufstätige in der Innenstadt zum neuen Erlebnis werden. Bezahlt wird im „Food Court“ mit speziellen Karten, die auch als Geschenk taugen und wiederaufladbar sind. Die Gastro-Meile und die Markthalle könnten wegen der klaren räumlichen Trennung auch unterschiedliche Öffnungszeiten haben.

Kulinarisches Sorglos-Paket

Mit kulinarischen Rundum-sorglos-Paketen könnte die Markthalle neue Kunden gewinnen. Menüideen und komplette Zutatenkörbe mit frischen Produkten würden von den Händlern gemeinsam vorbereitet, die Kunden sparen damit Zeit und können stressfreier einkaufen. Das „Menü to go“ könnte in der Markthalle abgeholt werden, das Konzept sieht aber auch einen Lieferservice für die Zutatenkörbe auf Bestellung vor. Es gäbe bei diesen Körben spezielle Angebote etwa für Fleischesser, Vegetarier oder eine Fitness-Ernährung.

Markthalle mit Supermarkt

Um die Marktstände zukunftsfähig zu machen, will das Konzept „Markthalle hybrid“ das Sortiment erweitern. Neben den regionalen, teils ökologisch erzeugten Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Wurst, Fleisch, Fisch und Backwaren müssten Besucher ihren Warenkorb wie im Supermarkt füllen können, weil immer mehr Menschen möglichst alles in einer Einkaufsstätte bekommen wollen. Da es in der Markthalle zwar Spezialitäten, aber bisher kein Standardsortiment gebe, gingen vor allem jüngere Menschen dort nicht mehr einkaufen.

Mehr zur Markthalle finden Sie im Regiowiki.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.