Die Bilder unserer verlorenen Stadt geben Einblicke in die Geschichte Kassels - Ausstellung in Schaufenstern

Ausstellung "Verlorenes Kassel", Teil 2: Wo sich Ephesus und Kupille trafen

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Reiter der Husaren im Lampengeschäft: Inhaber Fritz Höhne mit der Aufnahme, die um 1900 entstanden ist. An diesen Teil der Kasseler Geschichte erinnert die Adresse Garde-du-Corps-Straße.

Kassel. Die Ausstellung „Bilder unserer verlorenen Stadt“ ist in der zweiten Runde vom Karlsplatz bis zur Wilhelmsstraße zu sehen. Gemeinsam mit der Kasseler Sparkasse und dem Verein Freunde des Stadtmuseums präsentiert die HNA Aufnahmen aus dem alten Kassel an Originalschauplätzen.

Das großformatige Foto im Schaufenster des Lampengeschäfts „Fritz macht Licht“ zieht die Blicke auf sich. Es zeigt den Garde-du-Corps-Platz in etwa dort, wo heute die gleichnamige Straße am Capitol-Kino vorbei zur Wilhelmsstraße verläuft.

Informationen über alle Stationen der Ausstellung im RegioWiki

Mit ein wenig Fantasie kann man das Hufgetrappel der Pferde auf der Reitbahn hören. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht von Kunden darauf angesprochen werde“, sagt Inhaber Fritz Höhne (62). Für ihn sei sofort klar gewesen, dass er ein Schaufenster für die Ausstellung zur Verfügung stellen würde. „Das ist eine hervorragende Idee, die Sympathie für die Historie Kassels weckt“, sagt er.

Fritz Höhne hat diese Sympathie schon lange. Als er vor zehn Jahren mit dem Lampengeschäft von der Fünffensterstraße umzog, hat er sich schlaugemacht über die Garde du Corps und den neuen Standort. Nicht nur über die reinen Fakten, sondern auch über die Geschichten, die so erzählt werden. Über Ephesus und Kupille zum Beispiel, die sich hier angeblich kennengelernt haben (siehe Stichwort unten).

Von der Garde-du-Corps-Straße sind es nur wenige Schritte zur Wilhelmsstraße. Auf dem Weg Richtung Königsstraße fällt der Blick auf die Karlskirche. Um deren Geschichte geht es in einer weiteren Station der Ausstellung.

Die Karlskirche beim Juwelier Siebeneicher: Dr. Wolfgang Löffler, der Präsident des Kasseler Amtsgerichts, schaut sie sich an.

„Ganze Schulklassen bleiben vor dem Schaufenster stehen und sehen sich das Bild an.“

Hier hat das Juweliergeschäft Siebeneicher Platz im Schaufenster gemacht. „Für uns ist das Ehrensache“, sagt die Chefin Margot Siebeneicher. Schließlich habe die Familie ihres Mannes schon seit 1838 ein Geschäft in Kassel. „Ganze Schulklassen bleiben vor dem Schaufenster stehen und sehen sich das Bild an“, sagt sie. Zur Karlskirche hat Margot Siebeneicher eine besondere Beziehung. Als geborene Credé - weitläufig verwandt mit dem Waggonbauer - habe sie hugenottische Wurzeln. Die Karlskirche wurde von französischen Glaubensflüchtlingen gebaut.

Über die Fotos in den Schaufenstern kommt man schnell ins Gespräch. „Mein Schwiegervater hat genau diese Perspektive der Karlskirche vor Jahren als Aquarell gemalt“, sagt Dr. Wolfgang Löffler. Der Präsident des Kasseler Amtsgerichts wollte eigentlich nur schnell etwas in der Stadt erledigen und ist bei Siebeneicher hängen geblieben. Die Ausstellung sei eine prima Idee, weil man sie so unkompliziert ansehen könne. „Meine Familie lebt seit 1890 in Kassel, das erklärt vielleicht mein Interesse an der Geschichte der Stadt.“ Wenn in zwei Jahren der 1100. Geburtstag Kassels gefeiert wird, will er einen Teil dazu beisteuern. „Ich habe der Stadt angeboten, dass Räume des Gerichts für Veranstaltungen genutzt werden könnten“, sagt Löffler.

Auch die Ausstellung „Bilder unserer verlorenen Stadt“ wird an verschiedenen Standorten bis dahin fortgesetzt.

Stichwort

Gut möglich, dass sich die beiden Kasseler Originale Ephesus und Kupille in einer Kneipe im Umfeld des früheren Garde-du-Corps- Platzes nähergekommen sind. Überliefert ist, dass Kupille, der eigentlich Heinrich Adam Ernst hieß und Sohn eines Drehorgelspielers aus der Unterneustadt war, keine Lust auf den Wehrdienst hatte. Ob er wirklich ein Augenleiden hatte, ist nicht bekannt. Dafür erzählte er jedem, der es hören wollte: „Ich honn was an der Kupille.“ Das blieb hängen.

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