Fragen und Antworten zur Bearbeitung beim Finanzamt

Steuererklärung: Wer sich Zeit lässt, wartet länger

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Mit dem Kugelschreiber geht’s auch: Wer aber die Möglichkeit nutzt, seine Steuerformulare elektronisch per Computer zu übermitteln, dem verspricht das Finanzamt eine schnellere Bearbeitung.

Kassel. Wenn die Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht ist, beginnt das Warten: Vor allem Gehaltsempfänger, die mit einer Rückzahlung rechnen, sehnen den Steuerbescheid der Behörde mit wachsender Ungeduld herbei.

Viele haben keine Vorstellung davon, was beim Finanzamt inzwischen passiert – und kein Verständnis, warum die Bearbeitung eines vergleichsweise einfachen Steuerfalls nicht schneller geht. Dazu einige Fragen und Antworten:

? Wie lange dauert die Bearbeitung im Durchschnitt?

!Das ist je nach Bundesland unterschiedlich und hängt auch von einzelnen Finanzämtern ab. Einen Mittelwert von fünf bis acht Wochen nennt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe, Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein.

? Bringt es etwas, die Steuererklärung früh abzugeben?

!Ja, die Finanzämter bearbeiten die Fälle nach Eingangsstempel. Wer seine Steuererklärung möglichst früh abgibt, ist in der Warteschleife vorn.

? Auch wer diszipliniert ist und seine Formulare schnellstmöglich einreicht, muss oft einige Wochen warten – warum?

!Das hängt mit dem Arbeitsfluss bei der Finanzverwaltung zusammen. Zum Jahresbeginn müssen zunächst alle Steuerrechtsänderungen in die Computerprogramme eingespeist werden. Dadurch können die Finanzämter oft erst im März mit der Prüfung von Steuererklärungen beginnen.

? Gibt es weitere Gründe, die zu Verzögerungen führen?

!Für die Steuerberechnung werden außerdem Daten von Arbeitgebern und Versicherungen gebraucht. Diese haben bis zum 28. Februar Zeit, die Daten des Vorjahres an das Finanzamt zu übermitteln. Auch die Steuerpflichtigen können ihre Erklärungen oft vorher nicht einreichen, da sie noch auf Angaben ihres Arbeitgebers warten.

? Und wie kann man die Bearbeitung beschleunigen?

!Indem man seine Steuerformulare möglichst in elektronischer Form vom heimischen Computer aus einreicht. Die Finanzverwaltung wirbt für ihre „Elektronische Steuererklärung“ (www.elster.de) und stellt diese Standardsoftware kostenlos zur Verfügung. Weil die Finanzämter dadurch weniger Bearbeitungsaufwand haben, versprechen sie im Gegenzug eine bevorzugte Bearbeitung der elektronisch eingereichten Fälle. Das ist vorteilhaft für jene, die eine Steuererstattung erwarten, bedeutet aber andererseits mehr Wartezeit für jene, die weiter zu Papierformularen greifen.

? Welche Fristen gelten eigentlich für die Abgabe von Einkommensteuererklärungen?

!Oft ist von einer Abgabefrist bis zum 31. Mai des Folgejahres die Rede. Diese Frist gilt allerdings nur für bestimmte Arbeitnehmer, die sich zum Beispiel Steuerfreibeträge haben eintragen lassen, die Lohnersatzleistungen oder bestimmte Nebeneinkünfte beziehen. Für alle anderen ist die Abgabe einer Steuererklärung keine Pflicht, sondern freiwillig. Sie haben dafür bis zu vier Jahre Zeit.

? Und wann ist bei den Finanzämtern besonders viel Betrieb?

!Als Stoßzeiten gelten die Monate April bis Juni – dann dauert die Bearbeitung erfahrungsgemäß am längsten.

? Darf sich das Finanzamt für die Bearbeitung der Unterlagen beliebig viel Zeit lassen?

!Es gibt keine bestimmte Frist, innerhalb der die Behörde eine Steuererklärung bearbeiten muss. Doch wenn sich nach sechs Monaten nach der Einreichung immer noch nichts getan haben sollte, können Finanzamtskunden die Erledigung ihrer Steuersache formell anmahnen. Diesen sogenannten „Untätigkeits-Einspruch“ kann man mit Verweis auf Paragraf 347 Absatz 1 Satz 2 der Abgabenordnung (AO) beim betreffenden Finanzamt einreichen.

Von Axel Schwarz

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