Sicher im Netz einkaufen

Kasseler Forscherinnen entwickeln Werkzeug mit, das vor Internet-Fallen warnt

Silke Jandt

Kassel. Das Einkaufen im Internet wird immer beliebter. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) machten die Internethändler 2012 einen Umsatz von 29,5 Milliarden Euro. Doch der schnelle Einkauf im Netz birgt Fallen.

Silke Jandt

Der Käufer übersieht beispielsweise, dass er die Ware bei Nichtgefallen auf eigene Kosten zurücksenden muss.

Oder der Konsument erhält eine saftige Rechnung geschickt, obwohl er meinte, ein Gratisangebot ergattert zu haben. „Viele zahlen dann, weil sie unsicher sind“, sagt Dr. Silke Jandt, Geschäftsführerin der Projektgruppe verfassungsverträgliche Technikgestaltung an der Universität.

Jandt und die Wirtschaftsjuristin Carina Boos arbeiten im Rahmen des Forschungsprojekts „InUse“ mit daran, das Einkaufen im Internet mittels eines unsichtbaren Beraters sicherer zu machen: Ähnlich wie ein Antivirusprogramm, das im Hintergrund den Computer vor Virenattacken schützt, soll dieses Werkzeug den Benutzer während seiner Einkaufstour auf zweifelhafte Vertragsbestimmungen und unsicheren Datenschutz hinweisen. „Wir wollen während des Bestellprozesses eingreifen. Wenn der Kunde den Einkauf in den Warenkorb legt, erhält er konkrete Hinweise“, sagt Boos. Das könne beispielsweise die Warnung vor überraschenden Klauseln in allgemeinen Geschäftsbedingungen sein, sagt Jandt.

Carina Boos

Es sei inzwischen Vorschrift, dass der „Schalter“, mit dem der Kaufinteressent auf der Internetseite eines Online-Shops durch einen Mausklick einen kostenauslösenden Vertrag schließt, hinreichend gut gekennzeichnet sein muss. Fehlt dieser Schalter oder ist er für den Konsumenten kaum wahrnehmbar, schlägt das von den Juristinnen mitentwickelte Programm Alarm. Es protokolliere auch, welche Seiten der Nutzer angeklickt habe, sagt Jandt. Dadurch hat er im Streitfall über einen Vertragsschluss ein Beweismittel in der Hand. Umgekehrt können sich die Online-Verkäufer anhand der von Jandt und Boos entwickelten Kriterien zertifizieren lassen.

Das Projekt wird vom Bundesverbraucherministerium gefördert und läuft bis 2015. Die Kasseler arbeiten mit Partnern aus der Wirtschaft und der Technischen Universität Darmstadt zusammen. (pdi)

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