Student und Absolvent der Uni Kassel entwickeln Freisprecheinrichtung, mit der kein Bußgeld droht

Sicher telefonieren auf dem Rad

Telefonieren kein Tabu mehr: Mit der Freisprecheinrichtung von Khesrau (links) und Sohrab Noorzaie wird kein Bußgeld mehr fällig. Fotos: Schaffner

Kassel. Handys sind für Fahrradfahrer praktisch tabu. Wer auf dem Sattel telefoniert, riskiert so oder so ein Bußgeld. Ohne Freisprecheinrichtung werden 25 Euro fällig, verkabelt mit einer Freisprechanlage und Kopfhörer droht ebenfalls eine Strafe (zehn Euro), weil das Tragen von Ohrstöpseln verboten ist.

Zwei Kasseler Forscher haben dafür jetzt eine Lösung gefunden. Die Brüder Khesrau und Sohrab Noorzaie entwickeln eine Freisprecheinrichtung für Smartphones, die ohne zusätzliche Elektronik auskommt.

„Es fing damit an, dass wir im Kuba-Urlaub übers Handy unsere Lieblingslieder hören wollten, aber von der Salsa-Musik unserer Nachbarn übertönt wurden“, sagt Sohrab Noorzaie, Wirtschaftsingenieur- und Maschinenbaustudent an der Uni Kassel. Zurück in Kassel, suchten sie nach passendem Handyzubehör. „Wir haben aber nur Zusatzlautsprecher gefunden, die mit zusätzlicher Energie, Elektronik und Kabelsalat funktionieren“, sagt der 30-Jährige, der mit seinem Bruder Khesrau (32, Maschinenbauingenieur) selbst die Initiative ergriff.

Technik: Eine speziell geformte Schale unter der Schutzhülle verstärkt die Stimme.

Sie bauten zuerst eine Art Trichter für den Lautsprecherausgang des Handys, um den Klang zu verstärken. „Damit haben wir die doppelte Lautstärke erreicht“, sagt Khesrau Noorzaie. Nachdem sie dann mithilfe eines 3-D-Druckers eine stabile Hülle fürs Handy angefertigt hatten, kam ihnen bald die Idee, eine Freisprecheinrichtung fürs Fahrrad zu entwickeln. „Mit Kopfhörern Fahrrad zu fahren ist nicht nur umständlich, sondern auch gefährlich, weil man sonst nichts mehr hört“, sagt er.

Das Prinzip ist verblüffend einfach: Das Handy wird in einer drehbaren Schutzhülle am Lenker befestigt und verstärkt die Stimme des Gesprächspartners aus dem Lautsprecherausgang lediglich über eine speziell geformte Schale. „Weil es nicht darum geht, die ganze Stadt zu beschallen, haben wir die Freisprecheinrichtung so konstruiert, dass nur der Fahrradfahrer selbst etwas hört“, sagt Sohrab Noorzaie.

Spaziergänger und andere Radler würden nicht belästigt. „Der Vorteil besteht darin, dass man mit beiden Händen am Lenker telefonieren kann und keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet.“

Prototyp wurde getestet

Ein Prototyp aus Kunststoff hat bereits erste Tests bestanden. In Kooperation mit Forschern vom Fachgebiet Leichtbaukonstruktion suchen die Brüder noch das richtige Material, mit der Kunsthochschule entwickeln sie das Design weiter und stimmen mit dem Institut für Musik die richtige Akustik ab.

„Mitte 2014 wollen wir unser Endprodukt im Einzelhandel anbieten“, sagt Khesrau Noorzaie, der mit Sohrab vor vier Monaten die Firma „Sminno“ (Smart Innovation) gegründet hat. Wie teuer die Freisprecheinrichtung sein wird, hänge von der endgültigen Materialwahl ab, „wir gehen aber davon aus, dass sie ab 25 Euro zu haben sein wird“. www.sminno.de

Von Sebastian Schaffner

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