Technische Assistenzsysteme können Senioren im Alltag helfen – Arbeitskreis gegründet

Sicheres Wohnen im Alter

Persönlicher Assistent: Charlotte Bellin zeigt, was mit dem persönlichen Assistenten für unterstütztes Leben („Paul“), einem Computer, alles möglich ist. Foto: Konrad

Kassel. „Paul“ prüft, ob Fenster und Türen geschlossen, Lichter ausgeschaltet sind, überwacht Herd und Bügeleisen und schlägt Alarm, wenn sich in einer Wohnung längere Zeit nichts regt.

Der „persönliche Assistent für unterstütztes Leben“, der derzeit für einen Teil der Mieter im Evangelischen Altenzentrum Stiftsheim Kassel an der Ahrensbergstraße eingerichtet ist, ist ein Beispiel für die neueste Generation Alltagsunterstützender Assistenzsysteme (AAL – Ambient Assisted Living). Das System wird über einen Tablet-Computer in der Wohnung gesteuert. Es soll älteren Menschen das Leben erleichtern und sicherer machen.

Doch viele Senioren stehen solchen technischen Assistenzsystemen noch sehr zurückhaltend gegenüber, weil sie laut Martin Bleckmann von der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen Hofgeismar, Träger des Stiftsheims, nicht wissen, welche Unterstützung diese Systeme bieten können.

Vor diesem Hintergrund hat die Altenhilfe Gesundbrunnen im Herbst 2012 den Arbeitskreis Altersgerechte Assistenzsysteme gegründet, der unter anderem das Bewusstsein für solche technischen Hilfsmittel schärfen will. Dem Arbeitskreis gehören beispielsweise Träger von Altenhilfeeinrichtungen, Wohnungsbaugesellschaften, die Universität und die Stadt Kassel, Handwerkskammer und Wohnberatungen an, die in unterschiedlichen Bereichen ansetzen, um ein Bewusstsein und eine Akzeptanz für technische Assistenzsysteme zu schaffen. Die Koordination übernimmt das Regionalmanagement Nordhessen.

Pflegebedürftigkeit steigt

Für 2030 sagen Prognosen den Anteil der Menschen über 65 Jahren auf 30 Prozent voraus, und der Anteil Pflegebedürftiger wird zunehmen. Gleichzeitig wird es in vielen sozialen Dienstleistungsbereichen einen hohen Bedarf an Arbeits- und Fachkräften geben, der laut Bleckmann nur schwierig gedeckt werden kann. Vor diesem Hintergrund komme altersgerechten Assistenzsystemen eine zunehmende Bedeutung zu, um die Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit im Alter in den eigenen vier Wänden oder in betreuten Wohnformen so lange wie möglich zu erhalten.

Die Mitglieder des Arbeitskreises rechnen damit, dass es bei altersgerechten Assistenzsystemen bald verbindliche Standards und Normen geben wird, dass die Bereitschaft zunimmt, in diese Technologien zu investieren und auch die Nachfrage steigen wird.

„Paul“ jedenfalls wird laut Charlotte Bellin, Leiterin des Altenzentrums Stiftsheim in Kassel, von den Bewohnern gut angenommen. „Über das System können die Bewohner auch untereinander kommunizieren“, sagt sie. Auch Einkäufe könnten darüber organisiert werden. Laut Bleckmann hat sich eine Investition von 15 000 Euro in ein solches System nach zwei Jahren amortisiert. (mkx) • Für den 8. April 2014 bereitet der Arbeitskreis eine Fachtagung zum Thema vor und ist am 4. und 5. April 2014 bei den Kasseler Gesundheitstagen vertreten. www.altersgerechte-assistenzsysteme-nordhessen.de

Von Mirko Konrad

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