Nach Anschlag auf Moschee in Kassel

Sicherheitsbedenken: Stadt sagt Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat ab 

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Halit Yozgat

Kassel. Aus Sicherheitsgründen wird die Gedenkveranstaltung anlässlich des zwölften Todestages von Halit Yozgat am kommenden Freitag, 6. April, nicht stattfinden.

Aktualisiert am Freitag um 14.17 Uhr. Das hat die Stadt Kassel am Donnerstag in einer Presseerklärung mitgeteilt. Halit Yozgat war in seinem Internetcafé an der Holländischen Straße am 6. April 2006 mutmaßlich von der rechtsextremen terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) erschossen worden.

„Sicherheitsbedenken zwingen uns leider zu diesem Schritt“, erklärte Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle am Donnerstag. Es sei nicht auszuschließen, dass es während der eigentlich geplanten Gedenkveranstaltung zu „sicherheitsrelevanten Vorkommnissen“ hätte kommen können. Der Charakter und würdige Rahmen einer Gedenkveranstaltung wäre dadurch massiv beeinträchtigt.

Die Polizei hatte bereits vor einigen Tagen angekündigt, dass sie mit mehr Einsatzkräften als sonst die Gedenkveranstaltung schützen müsse. Hintergrund sind die bundesweiten Anschläge auf türkische Einrichtungen, die im Zusammenhang mit der türkischen Militäroffensive auf die Stadt Afrin in Nordsyrien stehen.

Am vergangenen Sonntag hatte es in Kassel einen Brandanschlag auf ein türkisches Moschee-Gebäude an der Bunsenstraße unweit des Halitplatzes in der Nordstadt gegeben. Der Staatsschutz, der die Ermittlungen übernommen hat, geht von einer politischen Tat aus.

Die Stadt habe im Vorfeld mit den Angehörigen Yozgats über die Entscheidung gesprochen. „Ich habe großen Respekt davor, dass auch die Familie Yozgat vor diesem Hintergrund eine Absage der Gedenkveranstaltung für angebracht hält“, so Geselle. „Die Stadt Kassel wird ihrem Mitbürger Halit Yozgat ein ehrendes Andenken bewahren und auch weiterhin mahnend an die Verbrechen des NSU erinnern.“

Die Initiative 6. April kritisiert indes die Entscheidung der Stadt. Sie ruft die Menschen dazu auf, im „Gedenken an den rassistischen Mord an Halit zusammenzustehen“ und an einer Gedenkveranstaltung am Freitag um 15.30 Uhr auf dem Halitplatz teilzunehmen. "Bedroht ist unserer Ansicht nicht die "Sicherheit" der Gedenkveranstaltung, sondern die Unterstützung der Opfer und die Aufklärung der Verbrechen des NSU - Wir werden heute wie in Zukunft am 6. April daran erinnern", heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative von Freitag, 30. März.

Alle Informationen zum Fall Halit Yozgat finden Sie hier.

Aus dem Archiv: Video von der Gedenkveranstaltung 2016

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