Deutsch-Marokkaner muss sich verantworten

Sicherungsverfahren am Kasseler Landgericht: „Blut spritzte im ganzen Zimmer“

Für ihn gelten nur Gottes Gesetze: In einem Sicherungsverfahren vor der sechsten Strafkammer muss sich ein 32-jähriger Deutsch-Marokkaner wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung, versuchten Totschlags und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Gestern sagte auch seine Mutter aus. Zeichnung: Christine Reinckens

Kassel. In einem Sicherungsverfahren vor dem Landgericht in Kassel muss sich ein Deutsch-Marokkaner wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und versuchten Totschlags verantworten.

Zudem wird ihm Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vorgeworfen.

Als er und sein Kollege am Vormittag des 12. August 2016 an der Marburger Straße in Nähe des Marienkrankenhauses angekommen seien, habe man bereits Schreie und Kampfgeräusche aus dem Inneren des Hauses gehört, sagte ein 55-jähriger Polizeibeamter am Montag vor der sechsten Strafkammer des Landgerichts aus.

Dort wird in einem Sicherungsverfahren darüber entschieden, ob ein 32-jähriger Deutsch-Marokkaner, der vor sieben Monaten ausgerastet und äußerst gewalttätig geworden ist, für unbestimmte Zeit in einem Psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird, weil er laut Staatsanwaltschaft eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt. Der Beschuldigte, der nach Ansicht der Ermittlungsbehörde aufgrund einer paranoiden Schizophrenie schuldunfähig ist, sagte, dass sich Gott in ihm offenbare. Wenn er den Koran lese, dann hebe sich die Schrift hervor und leuchte.

Hilfe über Notruf

Vor der sechsten Strafkammer berichtete der Polizist weiter, dass damals eine Frau über Notruf die Polizei verständigt habe, weil ihr Sohn durchgedreht sei und randaliere. Als er und sein Kollege in die Küche gekommen seien, hätten zwei weitere Polizisten bereits versucht, den Mann unter Kontrolle zu bringen. Ohne Erfolg, so der 55-Jährige, obwohl die Beamten auch Pfefferspray gegen den Mann eingesetzt hätten.

Mit erheblichem Aufwand habe man ihn schließlich festnehmen und mit auf das Revier Mitte nehmen können.

Im Laufe des Nachmittags teilte dann der sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes dem Ludwig-Noll-Krankenhaus mit, dass der Mann offenbar manisch-psychotisch sei und in die Klinik gebracht werden müsse, sagte die 56-jährige Oberärztin aus. Dort sollte ein Betreuungsrichter nach einer Anhörung über seine Unterbringung entscheiden.

Der Beschuldigte sei in der Anhörung zunächst freundlich gewesen, habe aber geleugnet, dass er am Vormittag im Haus seiner Mutter gewalttätig geworden wäre.

Koran und Kugelschreiber

Der Mann habe eine Plastiktüte dabei gehabt. Wie sich später herausstellte, seien darin ein Koran und ein Kugelschreiber gewesen, so die Oberärztin. In dem Augenblick, in dem der Richter darüber gesprochen habe, den Mann für sechs Wochen in der Klinik unterzubringen, sei dieser aufgesprungen und habe dem Rechtsanwalt, der ebenfalls im Raum war, mit dem Kugelschreiber ins Gesicht gestochen. „Das Blut spritzte im ganzen Zimmer“, schilderte die Oberärztin. Sie sei dazwischen gegangen, um dem Anwalt zu helfen. Dabei sei sie von dem Beschuldigten ebenfalls mit dem Kugelschreiber in die linke Schulter gestochen worden. Eine weitere Ärztin habe der Mann an den „Haaren gepackt und hin- und hergeschleudert“. Er schrie, er wolle den Schlüssel haben. Aus Angst, der Mann könne weitere Patienten angreifen, habe sie schließlich die Anweisung gegeben, dass die Tür geöffnet wird und der Mann flüchten kann, so die Zeugin.

Auf der Flucht griff der 32-Jährige eine Polizeistreife an. Auf der Dennhäuser Straße wurde er von einem Beamten mit einem Schuss in den Oberschenkel gestoppt.

Der Prozess wird am Montag, 3. April, fortgesetzt.

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