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Sie bauen den Kasseler Schlacke-Berg ab

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Von: Andreas Hermann

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Vor einem kleinen Teil der mobilen Aufarbeitungsanlage: Baureka-Vertriebsleiter Jens Andrecht. Noch für rund fünf Wochen wird die Anlage in Kassel in Betrieb sein.
Vor einem kleinen Teil der mobilen Aufarbeitungsanlage: Baureka-Vertriebsleiter Jens Andrecht. Noch für rund fünf Wochen wird die Anlage in Kassel in Betrieb sein. © Andreas Fischer

Aktuell lässt die Firma Baureka die gesammelte Hausmüll-Asche eines ganzen Jahres aus dem Kasseler Müllheizkraftwerk aufarbeiten.

Kassel – Mit dem Monte Kali, der riesigen Salzhalde bei Heringen, kann es der Kasseler Schlacke-Berg nicht aufnehmen. Dennoch fällt der meterhohe graue Haufen neben dem Fernwärmekraftwerk an der Dennhäuser Straße beim Vorfahren auf der Stadtautobahn (A 49) ins Auge.

Jeweils um den Februar herum erreicht der Schlacke-Berg seinen Höchststand. Dann nämlich hat sich auf dem Gelände der Baureka Baustoff-Recycling GmbH (Bericht rechts) der graue Rest des Hausmülls aufgehäuft, der im Jahr zuvor im Müllheizkraftwerk (MHKW) an der Losse verbrannt wurde.

Bagger im Einsatz auf dem Schlacke-Berg: Die Drohnen-Aufnahme zeigt unten die mobile Aufarbeitungsanlage auf dem Baureka-Gelände an der Dennhäuser Straße; links oben ist die A 49-Anschlussstelle Kassel Mitte/Auestadion zu sehen, rechts ein Teil des Kraftwerks.
Bagger im Einsatz auf dem Schlacke-Berg: Die Drohnen-Aufnahme zeigt unten die mobile Aufarbeitungsanlage auf dem Baureka-Gelände an der Dennhäuser Straße; links oben ist die A 49-Anschlussstelle Kassel Mitte/Auestadion zu sehen, rechts ein Teil des Kraftwerks. © Anderas Fischer

„Die Menge ist in den vergangenen Jahren etwa konstant geblieben“, sagt Baureka-Geschäftsführer Dirk Röth. Pro Jahr fallen demnach in Kassel zwischen 45 000 und 50 000 Tonnen der sogenannten Hausmüllverbrennungsasche an beziehungsweise nach Verfeuerung im MHKW ab. Und weil die von dort zur Baureka transportierte Schlacke nicht kontinuierlich aufgearbeitet, sondern zunächst nur gesammelt wird, häuft sich dort im Laufe des Jahres ein Berg davon an. Bis März/April, dann beginnt der große Abbau. Sprich: die Aufarbeitung.

Inzwischen hat der Schlacke-Berg schon wieder an Höhe verloren. Grund dafür ist die Firma NRC aus den Niederlanden, die seit einigen Wochen im Auftrag von Baureka die Hausmüllasche aufarbeitet. Insgesamt wird das rund zehn Wochen dauern, etwa fünf Wochen werden die Holländer noch mit ihrer mobilen Recyclinganlage in Kassel im Einsatz sein.

Wobei der Begriff mobile Anlage falsche Vorstellungen weckt. Tatsächlich handelt es sich um mehrere Anlagen, die auf insgesamt 16 Sattelschleppern nach Kassel transportiert wurden. Seit 2005 arbeite Baureka bereits mit den Niederländern zusammen, berichtet Röth. Seiner Einschätzung nach gibt es in ganz Europa weniger als eine Handvoll Firmen, die das überhaupt so können. „Und die Holländer sind technisch am weitesten.“

Direkt neben dem Schlacke-Berg hat die Spezialfirma ihre Anlagen aufgebaut, die von acht Beschäftigten bedient werden. Wertstoffe wie Metalle werden durch Magnete aus dem verbrannten Hausmüll gezogen. In Sieben wird das Material verkleinert und nach Körnung sortiert. Mit Luft werden leichtere Dinge wie Papier oder Holz herausgeblasen. Und ja, es gibt auch einen Container, in dem Mitarbeiter sitzen, die Gegenstände per Hand aus der Asche herauslesen.

Die Wertstoffe – zum Beispiel Metalle wie Eisen, Aluminium und Kupfer – werden im Anschluss als Sekundärrohstoff verkauft. Unter anderem entsteht bei der Aufarbeitung auch ein Ersatzbaustoff, der unter dem Markennamen „Granova“ im Straßenbau, im Erdbau und in der Betonproduktion wiederverwertet wird. Dieser wurde etwa bei der Erweiterung der Kranfirma Regel in Baunatal eingesetzt und findet beim Parkplatzbau in der Kaserne in Hess. Lichtenau Verwendung, erklärt Baureka-Vertriebsleiter Jens Andrecht.

Ersatzbaustoff „Granova“.
Nach der Aufarbeitung: Der aus der Hausmüllverbrennungsasche gewonnene Ersatzbaustoff „Granova“. © Andreas Fischer

Anders als bei den Metallen gibt es für den Ersatzbaustoff kein Geld. Das heißt: Die Baureka muss zusehen, dass sie jemanden findet, der ihn abnimmt. Bis jetzt müsse darüber noch mit jeder Kommune einzeln verhandelt werden. Erleichterung erhoffe man sich durch die zum 1. August 2023 in Kraft tretende, bundesweit geltende Ersatzbaustoffverordnung. „Dann wird es einfacher und klarer geregelt sein“, meint Dirk Röth.

Was aus der Hausmüllasche eines Jahres wird, muss stets innerhalb weniger Wochen im Frühjahr entschieden werden. „In der Zeit, in der wir aufbereiten, müssen wir auch verkaufen“, sagt Röth. Danach wird sich die vom MHKW kommende Schlacke an der A 49 wieder nach und nach zu einem grauen Berg auftürmen.

Die Baureka Baustoff-Recycling GmbH hat ihren Sitz an der Dennhäuser Straße in Kassel (neben Kraftwerk). Als zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb ist sie in Sachen Baustoffrecycling und mineralisches Abfallmanagement für Kunden aus dem Bausektor und der Industrie tätig. Sie gehört zum Verbund der Remex GmbH (Düsseldorf), bundesweit Marktführer bei der Aufarbeitung von Abfall-Schlacken, und des Straßenbaukonzerns Eurovia (Berlin).

Neben dem 1994 gegründeten Firmensitz mit aktuell elf Beschäftigten verfügt die Baureka über Standorte bei Habichtswald-Dörnberg (Igelsburg) und seit 1. April in Fritzlar (Eiertanz). Eine weitere Zweigstelle in Südniedersachsen soll bald hinzukommen.

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