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Sie erfüllen Gesetze mit Leben: Stadt Kassel sucht Jugendschöffen

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Von: Kathrin Meyer

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Justitia Symbolbild
Stadt Kassel sucht Jugendschöffen. © Peter Steffen/dpa

Die Stadt Kassel sucht Menschen, die sich als Jugendschöffin oder -schöffe am Amts- oder Landgericht Kassel an der Rechtsprechung in Strafsachen beteiligen wollen.

Kassel – Deutschlandweit werden diese Vertreter des Volkes in diesem Jahr für die kommende fünfjährige Amtszeit neu bestimmt. „Unser demokratisches Gemeinwesen braucht die aktive Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger. Als Schöffin oder Schöffe kann man ganz konkret dazu beitragen, dass Gesetze mit Leben erfüllt werden“, sagt Jugenddezernentin Nicole Maisch.

Was genau macht ein Jugendschöffe?

Schöffen sind ehrenamtliche Richter, die bei bestimmten Verhandlungen am Amts- oder Landesgericht mitwirken. Jugendschöffen treffen die Entscheidung darüber, ob ein Angeklagter im Alter von 18 bis 20 Jahren als Jugendlicher oder als Erwachsener zu beurteilen ist.

Wie sieht der Ablauf eines juristischen Verfahrens dann konkret aus?

Schöffen sind mit den Berufsrichtern gleichberechtigt. Für jede Verurteilung und jedes Strafmaß ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Gericht erforderlich. Gegen beide Schöffen ist also kein Urteil möglich. Umgekehrt verantworten sie somit jedes Urteil mit – sei es eine Verurteilung oder ein Freispruch.

Welche formellen Voraussetzungen sind erforderlich, um Jugendschöffe zu werden?

Wer in Kassel Schöffe werden will, muss in Kassel wohnen und am 1. Januar 2024 mindestens 25 und höchstens 69 Jahre alt sein. Wählbar sind deutsche Staatsangehörige, die die deutsche Sprache ausreichend beherrschen. Interessierte können sich ab sofort und bis spätestens Montag, 10. April, beim Jugendamt der Stadt Kassel melden. Dort gibt es Bewerbungsunterlagen und weitere Auskünfte unter der E-Mail-Adresse doris.koenig@kassel.de oder Telefon 05 61/7 87 40 05. Auch aus beispielsweise aus den Ortsbeiräten können Vorschläge eingereicht werden.

Braucht man als Jugendschöffe juristisches Grundwissen?

Als ehrenamtliche Richter würdigen Schöffen Beweise und bewerten Indizien. Sie sollen darüber urteilen, ob sich ein bestimmtes Geschehen so, wie die Anklage behauptet, ereignet hat oder nicht. Daher verlangt das Amt eines Schöffen Unparteilichkeit, Selbstständigkeit und Reife. Aber auch geistige Beweglichkeit ist erforderlich. Wegen des anstrengenden Sitzungsdienstes benötigt man zudem eine gesundheitliche Eignung. Juristische Kenntnisse sind hingegen nicht erforderlich.

Was ist noch notwendig?

Schöffen sollten über soziale Kompetenz verfügen, also das Handeln eines Menschen in seinem sozialen Umfeld beurteilen können. Ihre Lebenserfahrung und Menschenkenntnis, gewonnen in beruflicher Tätigkeit oder gesellschaftlichem Engagement, sollen in die Prozesse einfließen. Schöffen in Jugendstrafsachen sollen in der Jugenderziehung über besondere Erfahrung verfügen.

Wie geht es nach der Bewerbung weiter?

Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Kassel schlägt doppelt so viele Kandidaten vor, wie an Jugendschöffen benötigt werden. Aus diesen Vorschlägen wählt dann der Schöffenwahlausschuss beim Amtsgericht in der zweiten Jahreshälfte 2023 die Jugendhaupt- und -ersatzschöffen. Die neue Amtszeit beginnt am 1. Januar 2024 und endet am 31. Dezember 2028.

Wer kann kein Schöffe werden?

Ausgeschlossen von der Wahl ist, wer zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt wurde oder gegen wen ein Ermittlungsverfahren wegen einer schweren Straftat schwebt, die zum Verlust der Übernahme von Ehrenämtern führen kann. Keine Schöffen werden sollen auch hauptamtlich in oder für die Justiz Tätige sowie Religionsdiener. (Kathrin Meyer)

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