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Sie guckt nicht weg, sondern wird aktiv

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Von: Christina Hein

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Antonia Ringborg, Kassel.
Antonia Ringborg © Christina Hein

Es war in vieler Hinsicht eine herausragende Ehrung, die jetzt im Kasseler Rathaus stattfand: Antonia Ringborg, die von Oberbürgermeister Christian Geselle mit der Ehrennadel der Stadt ausgezeichnet wurde, ist mit ihren 19 Jahren unter den insgesamt 312 Geehrten seit 1992 die mit Abstand jüngste Trägerin der Nadel für verdiente Bürger.

Kassel. Dass das Stadtoberhaupt zum Anstecken des silbernen Schmuckstücks vor der jungen Frau im Rollstuhl auf die Knie ging, ist kein häufiges Bild. Und eine so emotionale und persönliche Laudatio aus dem Mund des OB gab es ebenfalls noch nicht oft: Zwischendurch musste Christian Geselle bewegt innehalten, um seine Stimme wiederzufinden.

Das lag vor allem an der Person der Geehrten: Antonia Ringborg, die sich seit Jahren bei Greenpeace und später auch bei Fridays for Future für den Umweltschutz einsetzt, hatte um die Jahreswende eine überwältigende Spendenkampagne gestartet. Auslöser war für sie das Elend in den Flüchtlingslagern Südeuropas. Was mit einer Aktion auf Facebook begann, mündete in die „Spendengemeinschaft Antonia Ringborg“, die im Februar als Verein eingetragen wurde. Zuletzt hatte Antonia Geld für medizinischen Sauerstoff für Corona-Kranke in Indien gesammelt.

Christian Geselle überreicht Antonia Ringborg (Mitte) die Ehrennadel. Rechts Stadtverordnetenvorsteherin Martina van den Hövel-Hanemann.
Oberbürgermeister Christian Geselle überreicht Antonia Ringborg die Ehrennadel. Rechts Stadtverordnetenvorsteherin Martina van den Hövel-Hanemann. © Pia Malmus

Das alles vor dem Hintergrund, dass Antonia Ringborg selber krank ist und an einem nicht mehr operablen Hirntumor leidet. Christian Geselle zitierte die, wie er sagte, „bemerkenswerten Worte“ aus Antonias Mund: „Ich will nicht sterben, ohne etwas bewegt zu haben.“ Das sei eine „unheimlich beeindruckende“ Lebenseinstellung, die ihm „größte Ehrfurcht und Anerkennung“ abverlange. „Du lehrst uns Demut und Dankbarkeit. Solche Menschen brauchen wir.“

Deshalb sei es ihm „tatsächlich eine große Ehre“, Antonia Ringborg – auf Vorschlag der Stadtverordneten Dorothee Köpp – die Silberne Ehrennadel der Stadt Kassel zu überreichen, sagte Geselle und erklärte, dass ihm die junge Frau zuvor das Du angeboten hatte. Er zolle ihr Respekt, wie altruistisch sie ihr Schicksal annehme und dazu die Kraft aufbringe, „mit Mut und Freude“ Gutes für andere zu tun.

Bilder vom Elend anderer überfluteten uns, so Geselle, manch einer gucke weg, manch einer stumpfe ab. „Du guckst überhaupt nicht weg“, richtete er sich an Antonia. Sie reagiere empathisch und werde aktiv. Und sie besitze die Überzeugungskraft, auch andere zu bewegen.

Antonia Ringborg hielt ebenfalls eine kleine Ansprache und bedankte sich. Sie freue sich sehr über die Auszeichnung, sagte sie. Vor allem sei sie glücklich darüber, dass ihr Spendenprojekt in wenigen Monaten so groß geworden ist. Über 80 000 Euro habe die Spendengemeinschaft schon gesammelt.

Vielleicht werde es ja aufgrund der neuen medialen Aufmerksamkeit (zurzeit dreht ein Team des Hessischen Rundfunks eine Reportage) noch weiter wachsen.

„Danke, dass du als Bürgerin dieser Stadt unter uns und uns ein Licht und Vorbild bist“, beschloss Geselle die kleine Feierstunde: „Du bist und bleibst in unseren Herzen.“ (Christina Hein)

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