Projekt von Correctiv, HNA und anderen Regionalmedien

Ausstellung über Feindeslisten: Diese Bilder zeigen Betroffene rechten Terrors

Auch sie standen auf Feindeslisten: SPD-Politiker Karl Lauterbach (von links), Ilana Katz (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel) und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.
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Auch sie standen auf Feindeslisten: SPD-Politiker Karl Lauterbach (von links), Ilana Katz (Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel) und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak.

Der Rechtsextremismus bedroht unsere Demokratie. Eine Ausstellung porträtiert nun Menschen, die auf rechten Feindeslisten standen. Auch unsere Zeitung beteiligt sich an dem Projekt

Kassel – Nicht nur Walter Lübcke stand auf einer „Feindesliste“. Neben dem ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten haben Rechtsextreme in den vergangenen Jahren zehntausende Menschen als Gegner markiert: Politiker und andere Prominente, aber auch viele weniger bekannte Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Ihnen ist das Projekt „Menschen – im Fadenkreuz des rechten Terrors“ gewidmet, das das Recherchezentrum Correctiv mit elf Regionalmedien umgesetzt hat – darunter der HNA. Auch der Weisse Ring wirkte mit. Wir stellen Ausstellung, Buch und Webseite vor.

Die Ausstellung

Herzstück des Projekts sind die 57 Porträts, die der Fotograf Ivo Mayr von Menschen auf „Feindeslisten“ gemacht hat. Darunter sind Prominente wie die Politiker Karl Lauterbach, Paul Ziemiak, Sabine Leutheusser-Schnarrenber-ger, Cem Özdemir, der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und die Autorin Jacinta Nandi. Aus Kassel wurden Ilana Katz von der Jüdischen Gemeinde und HNA-Redakteurin Amira El Ahl fotografiert.

Seit gestern tourt eine frei zugängliche Wanderausstellung mit ihren Porträts durch Deutschland. Auftakt war in Solingen. Vom 27. bis 30. Juli ist sie auf dem Kasseler Scheidemannplatz und Teilen der Treppenstraße zu sehen. In kurzen Texten geben die Porträtierten Auskunft über ihr Leben und ihre Hoffnungen. Fotograf Mayr sagt: „Man erkennt in ihren Porträts, dass diese Menschen eine Haltung haben. Sie lassen sich nicht so einfach unterkriegen.“

Das Buch

Zur Ausstellung erscheint Mitte Juli das gleichnamige Buch (275 Seiten, 35 Euro), in dem nicht nur die Porträts zu sehen sind. Unter Leitung von Correctiv zeigen 15 Reporter von elf regionalen Medien Strategien der rechten Szene sowie Lücken in der Aufklärung auf. So geht es etwa um Verbindungen des Lübcke-Mörders Stephan Ernst zum Umfeld des rechtsterroristischen NSU und Rechtsextreme in Sicherheitsbehörden. Ayse und Ismail Yozgat, die Eltern des Kasseler NSU-Opfers Halit Yozgat, erzählen im Interview, dass sie jeden Tag an ihren toten Sohn denken. Correctiv-Gründer David Schraven sagt über das Projekt, dass es informieren und warnen soll: „Wenn es uns als Gesellschaft nicht gelingt, rechtem Terror entschlossen entgegenzutreten, wird er uns auseinandertreiben und unserer Demokratie großen Schaden zufügen.“

Die Webseite

Alle Recherchen und Porträts gibt es auch auf der Webseite menschen-im-fadenkreuz.de. Auf Instagram wird das Projekt unter @menschenimfadenkreuz begleitet. Dem Buch vorangestellt ist ein Zitat von Semiya Simsek, deren Vater Enver im September 2000 in Nürnberg das erste von zehn Opfern des NSU war: „Ich habe meinen Vater verloren, wir haben unsere Familienangehörigen verloren. Lasst uns verhindern, dass das auch anderen Familien passiert.“ (Matthias Lohr)

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